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sierten Gemeinschaft möglich ist, sich zu erhalten, ohne
die alte rohe, physische Arbeit ihres Geschlechtes zu ver
richten und ohne die Abhängigkeit der Sklaverei oder einen
großen Zuwachs von Arbeit durch eine andere Klasse von
Frauen zu erleiden; vielmehr hat bereits jene breite Masse
von Frauen, welche die Mittelklasse zwischen Arm und
Reich in der modernen Gesellschaft bilden, diesen Zu
stand erreicht oder neigt dahin, ihn zu erreichen. In den
nächsten fünfzig Jahren werden sich unzweifelhaft die
technischen Errungenschaften der Zivilisation so rasch
verbreiten, und zwar sowohl in der modernen Gesellschaft
als auch dort, wo bisher diese materielle Zivilisation noch
nicht eingedrungen ist, daß die alte Form der weiblichen,
häuslichen, physischen Arbeit selbst von den Frauen der
untersten Klassen wenig mehr gefordert werden dürfte, da
sie durch immer mehr fortschreitende, arbeitsparende Ma
schinen ersetzt wird.
Auf diese Weise bedroht der weibliche Parasitismus, der
in der Vergangenheit nur einen minimen Teil der Erdbe
wohnerinnen betraf, unter den heute bestehenden Verhält
nissen breite Massen und kann in der Zukunft das weib
liche Geschlecht als Ganzes bedrohen.
Wenn die Frauen sich darein finden, den Männern alle
Arbeit auf den neuen höchst wichtigen Gebieten zu über
lassen, die sich dem Menschengeschlecht unausgesetzt er
schließen, wenn sie, so wie die alten Formen häuslicher
Arbeit für immer verschwinden, nicht nach Neuem grei
fen, ist es unausweichlich, daß endlich nicht nur eine Klasse,
sondern große Massen von Frauen der zivilisierten Ge
sellschaft in einen Zustand mehr oder minder vollständi
ger Abhängigkeit von ihrer Geschlechtsfunktion allein ge
raten. *
* Wie sehr diese scheinbar sehr fernliegende Gefahr tatsächlich be
steht, illustriert in interessanter Weise der ernst gemeinte Vorschlag, der
vor einigen Jahren von einer bekannten Persönlichkeit in England gemacht