Object : Bedarf und Absatzmöglichkeiten in Sowjetrußland

Auch der von Deutschland zur Verfügung gestellte 300-Millionen-Kredit,
 dessen Ausnutzung durch Sowjetrussland
in höchstem Masse zweifelhaft erscheint, wird an der
Sache nichts ändern und nicht imstande sein, die Warenzirkulation
 in Sowjetrussland in Gang zu setzen. Die
russische Wirtschaft lässt sich nur auf die Beine stellen
durch Einfuhr einer grossen Menge von Waren, deren die
Bauernschaft bedarf; ferner durch bedeutende Kapital-‘hvestitionen
 bei der Industrie. Das alles lässt sich jedoch
aur mit Hilfe einer grossen Auslandsanleihe ermöglichen,
wofür nur der angelsächsische Kapitalmarkt in Frage
zommt, welcher, wie der Verlauf aller möglichen Versuche
der Sowjetregierung bis jetzt gezeigt hat, nicht günstig
gestimmt ist, solange das Aussenhandelsmonopol besteht,
solange keine neue Situation geschaffen. wird ‚durch Beseitigung
 der bürokratischen Verwaltung der Industrie und
der sogenannten Planwirtschaft, deren Zweckmässigkeit am
vesten durch folgenden Ausspruch Dsershinskis illustriert
wird: „Wir haben das uns von der Bourgeoisie hinterlassene
Anlagekapital verbraucht, wir erdulden den allerschlimmsten
Warenhunger, alle Reserven an qualifizierter Arbeiterschaft
und technischem Personal sind erschöpft“, und‘ durch die
Tatsache, dass die Plankommission beim Rate für Arbeit
and Verteidigung die Direktiven für die Wirtschaftspolitik
betreffs des 2. Halbjahrs 1925/26 (1. April 1926 bis 30. Sepjember
 1926) erst am 26. Juni 1926 herausgegeben hat,
also etwa drei Monate vor Schluss des Jahres, und diese
verspäteten Direktiven wurden aufgestellt auf Grund von
Kontrollzahlen, die Dsershinski als „völlig aus der Luft
gegriffen“ bezeichnete.
Ohne Einräumung weitestgehender Konzessionen an das
ausländische und das inländische Kapital, ohne Befreiung,
d. h. ohne Denationalisierung der Industrie, ohne Schaffung
rechtlicher Normen, wie sie die moderne kapitalistische
Wirtschaft erfordert, (während der Zeit ihres achtjährigen
Bestehens konnte die Sowjetregierung bekanntlich keine
kommunistische Wirtschaftsordnung schaffen), wird es
nicht möglich sein, den Absterbeprozess (6 Mill. Arbeitslose
in Stadt und Land, während in der ganzen staatlichen
Industrie die Zahl der beschäftigten Arbeiter im März 1926
aur. 1952000 Mann betrug) aufzuhalten, und wir werden
zweifelsohne in nächster Zukunft erleben, dass’ die Sowjetregierung
 nicht nur dem ausländischen sondern auch dem
.nländischen Kapital weitreichende Konzessionen macht.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.