Object : Die Arbeiterfrage

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oder  hat  das  Formular  zerrissen.  Im  ganzen  kamen  630/0  von  den
Erhebungsformularen  ausgefüllt  zurück,  ein  Resultat,  bei  dessen
Erzielung  Methoden  eine  Rolle  spielten,  die  in  hunderten  variierenden ­
  Formen  angewandt  wurden  bis  zu  einem  regelrechten
Schokoladenverkehr  mit  den  Kindern  der  Arbeiter.  Feinere  seelische ­
  Fäden  zu  knüpfen,  glückte  bei  den  meisten  Erhebungen
erst  nach  vielen  Monaten.  Diese  seelischen  Wechselbeziehungen
zu  vertiefen,  erforderte  eine  Privatkorrespondenz  von  4846  Briefen.
Mit  welchen  Schwierigkeiten  die  Durchführung  der  Untersuchung
vielfach  verknüpft  war,  ergeben  einige  der  folgenden  Arbeiterbriefe. ­
  Da  schreibt  ein  Bergarbeiter:  „Die  ersten  Bogen,  welche
ich  ausgab,  fanden  gar  keine  Beachtung,  sondern  es  wurde  mir
häufig  gesagt,  das  ist  wohl  so  ein  Spitzel,  der  uns  aushorchen
will.“  Ein  anderer  Bergarbeiter  (Ruhrgebiet)  schreibt:  „Was
das  geringe  Interesse  meiner  Kollegen  anbetrifft,  die  Fragebogen ­
  auszufüllen,  so  kann  ich  Ihnen  mitteilen,  daß  ich  drei
Klassen  unterscheide:  eine  gleichgültige,  eine  fürchtende  und
eine  bewußte.  Bei  den  Gleichgültigen  und  den  Fürchtenden
hatte  ich  nach  längerer  Aufklärung  Zutritt  erhalten  und  bei  den
Bewußten  —  ein  höhnisches  Lächeln.  Denn  diese  Klasse
Menschen,  die  sehr  wenig  ist,  meint  mit  festem  Entschluß:  ,Wir
wollen  von  denen  da  oben  kein  Mitleid,  sie  haben  für  uns  doch
kein  Herz. 4 “  Ein  Bergarbeiter  aus  dem  Saargebiet:  „Es  hätte
mich  sehr  glücklich  gemacht,  wenn  Sie  mir  hätten  bestätigen
können,  Ihre  Fragebogen  sind  sämtlich  in  musterhafter  Weise
äusgefüllt  und  zurückgesandt.  Aber  man  muß  sich  mit  der  Tatsache ­
  abfinden,  daß  die  größere  Masse  höheren  Idealen  noch
sehr  skeptisch  und  kalt  lächelnd  gegenübersteht.  Sie  laufen  wohl
mit,  wenn  Versammlung  ist,  singen  die  Marseillaise  und  schreien:
Hoch  das  Wahlrecht.  Aber  ein  gesundes  proletarisches  Denken
steckt  nicht  darin.  Selber  den  durch  den  kapitalistischen  Frondienst ­
  zermürbten  Geist  anzüstrengen,  fällt  ihnen  zu  schwer.
Dafür  haben  wir  ja  unsere  Führer,  die  wissen,  was  wir  wollen
ünd  was  wir  hoffen.  Dafür  bezahlen  wir  ja  unsere  Beiträge,
heißt  es.“  Überhaupt  waren  die  Untersuchungen  unter  den  Bergarbeitern ­
  mit  besonderen  Schwierigkeiten  verknüpft.  Charakteristisch ­
  ist,  daß  die  Frage  19  der  Untersuchung:  Finden  Sie
Ihr  Vergnügen  mehr  in  der  Familie  oder  im  Wirtshaus,  und  halten
Sie  den  Genuß  von  Alkohol  für  entbehrlich,  oder  können  Sie
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