Full text : Der Weltmarkt 1913 und heute

Weltwirtschaftskrisis überall
der Frachtraten (vgl. näheres weiter unten) ein wichtiger Posten
der englischen Zahlungsbilanz sich zumindest nicht verbessert hat,
so daß der erhöhten Passivität der Handelsbilanz keine besonderen
Erhöhungen an „unsichtbaren Ausfuhren“ gegenüberzustellen sind.
Sir Allan Smith, der bekannte wirtschaftliche Sachverständige, hat
als Vorsitzender eines Arbeitsausschusses einer großen Angestelltenvereinigung
 diese Entwicklung im Sommer 1925 einer Schätzung
unterworfen, nach welcher im Jahre 1925 mit einem Defizit der
englischen Zahlungsbilanz von ca. 26 Millionen Pf. Sterling zu
rechnen sein würde, selbst wenn man die unsichtbaren Ausfuhren
von 1924 zugrunde legt. Ein solches Ergebnis des bisher reichsten
Handelsstaates der Welt wäre in der Tat sensationell. Man wundert
 sich daher auch nicht, wenn Sir Allan Smith folgende, in England
 viel beachtete Worte an seine Darstellung knüpfte:1)

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„Wir sind also an einem Punkte angelangt, wo wir die Liquidation
 unserer nationalen Guthaben ins Auge zu fassen haben
und von unserem nationalen Kapital leben müssen. Wenn daher
nicht etwas geschieht, um unseren Ausfuhrhandel zu beleben, so
muß schließlich das Resultat‘ der Bankerott sein. Es ist einleuchtend,
 daß wir von Anlagen, die wir veräußern, keine Zinsen mehr
erhalten können.“
Es sollte nicht Aufgabe des hier zu entwerfenden Bildes von der
konjunkturalen Lage der Weltwirtschaft sein, eine vollständige Herzählung
 aller die Wirtschaftslage einzelner Staaten heute charakterisierender
 Depressionsmomente zu geben. Nur die wichtigsten
derselben sollten die Lage beleuchten. Es ergibt sich, daß die wirtschaftliche
 Krisis in den einzelnen Ländern sehr verschiedene Wirkungen,
 je nach der ganzen volkswirtschaftlichen Struktur dieser
Länder, ihrer Beteiligung am Weltkriege, ihrer Stellung als Agraroder
 Industrieland, ihrer Finanz- und Währungspolitik usw. zeitigt,
Es ist bezeichnend für die Wirkung der weltwirtschaftlichen Tiefkonjunktur,
 daß sie gerade in Ländern wie England, das bezüglich
seines Außenhandelsvolumens im Frieden an der Spitze marschierte,
besonders einschneidende Veränderungen im volkswirtschaftlichen

11) Vgl. Levy: „Ist Englands wirtschaftliche Weltgeltung erschüttert?“
 In Wirtschaftl. Nachrichten für den Ruhrbezirk vom 22. Juli 1925.
            
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