366 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
worauf seinem Korps die Aufklärung nach Westen hin zu—⸗
fallen werde.
Als sich dann diese ganz überschwengliche Hoffnung als
eitel herausstellte, als im Gegenteil die böse Post vom Rück⸗
zuge der sterreicher aus Bayern anlangte, als die westfälische
Rebellion des Obersten von Dörnberg sich als vollends aus—
sichtslos erwies und als noch aussichtsloser der Eintritt Preußens
in irgendwelchen Krieg, da blieb für Schill nur noch ein
doppelter Ausweg übrig: er konnte sich nach Böhmen flüchten
oder aber irgendeine der Seestädte zu gewinnen suchen, von
der aus englische Schiffe ihn rettend aufzunehmen vermöchten.
Er wählte den letzteren, weit schwieriger durchzuführenden Plan;
er mochte nicht als abtrünnig gegen seinen König, in dem er
noch immer seinen Kriegsherrn verehrte, erscheinen, indem er
österreichischen Boden betrat. So wandte er sich aus dem An⸗
haltischen nach Norden, schlug bei Dodendorf ein französisches
Detachement, das ihm von Magdeburg her entgegentrat, und
warf sich in die kleine mecklenburgische Festung Dömitz und von
da nach Rostock. Als sich aber hier die Bedingungen für ihn
als nicht günstig ergaben, suchte er Stralsund zu gewinnen.
Mit vollem Erfolge. Neue Truppen, die ihm Condras, der
kommandierende General von Pommern, entgegenstellte, schlug
er bei Damgarten, drang dann zur Stadt vor, nahm sie und
bot die Landwehren Pommerns und Rügens auf: worauf ihm
wenigstens die Wehrmänner Rügens, die Landsleute Ernst
Moritz Arndts, zu Hilfe eilten.
Allein als dann, Ende Mai, eine feindliche Truppenmacht
von 6000 Mann, Holländer, Dänen, Holsteiner, Oldenburger,
gegen ihn aufgeboten wurde, da zeigte sich, daß die Stadt
nicht verteidigungsfähig war, daß er der Übermacht erliegen
mußte. Am 31. Mai, als diese Truppen in Stralsund ein⸗
drangen, suchte er, während die Seinen sich in verzweifelten
Straßenkämpfen aufrieben, das einzige, was ihm übrig blieb,
den Heldentod. Er sprengte auf den feindlichen Generalstab
los, spaltete dem General Carteret den Schädel, und sank,
von mehreren Kugeln zugleich durchbohrt, vom Pferde.