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aber aufgegeben. Man hört es ja gar nicht. Das Getöse ist so
laut, daß man schreien müßte. Darum lieber schweigen |und
grübeln.“
Ein Eisendreher: „In meinem Grübeln habe ich öfters den
Ort vergessen, an dem ich mich gerade befinde. Der Rollgang,
welcher von Maschine zu Maschine führt, liegt voll Schienen,
Meine Hintermänner können nicht Weiterarbeiten. Wüstes Ge
schimpfe klingt an mein Ohr. Dann zücke ich zusammen. Hastig
ziehe ich die Schiene hervor, knarrend fressen die Bohrer sich
durch. Ein kräftiger Schub — das Arbeitsstück rutscht weiter,
und so geht es fort in immer gleichem Tempo. Den ganzen Tag,
jahraus, jahrein. Immer die gleiche klappernde Melodie.“
Wo dauernd derartige Unlustaffekte die Arbeit begleiten, da
fehlt eben die Arbeitsfreude, die vor der Verkümmerung der
Persönlichkeit bewahrt. Nicht das Materielle ist für den mo
dernen Arbeiter ausschlaggebend, sondern die seelische Würde
seiner berufsmäßigen Arbeit.
„Ich mag und will nicht zur Maschine degradiert werden“,
schreibt verzweifelnd ein 27 jähriger Metalldrucker. „Lieber
20 Mark anstatt 36 Mark verdienen, aber nicht tagtäglich mit Ekel
zur Arbeit gehen müssen. Nur am Sonnabend steigt das Baro
meter der Arbeitsfreude. Am Sonnabend ist die Arbeitszeit Um
eine Stunde kürzer. Gott sei Dank, wieder einmal eine Woche
herum. Trotzdem der Sonnabend die unangenehmste Arbeit
bringt: Putzstunde, herrscht dann in den Fabriksälen eine ge
hobene Stimmung, es ist, als ob selbst die Dampfsirenen freund
licher klingen .“ Und doch preist ein Berliner Maschinen
schlosser den Siegeszug der Maschinen, allerdings vom ällge-
gemeinen Solidaritätsstandpunkte aus: „Das wahrhaft Gute hat
die Maschinenarbeit geschaffen, bei der Maschinenarbeit sind
gelernte und ungelernte Arbeiter ziemlich gleichgestellt. Infolge
dessen verschwindet der Kastengeist. Die gelernten wie die un
gelernten Arbeiter haben unter gleichen Existenzbedingungen zu
kämpfen. Sie werden mehr gleichheitlich aüsgebeutet.“ Ein
Metallgießer: „Ich suche auch der Arbeit die beste Seite abzu
gewinnen. Wenn Feierabend, wird fix gewaschen, das Rad her
untergeholt, und dann denke ich nicht daran, daß ich morgen;
wieder dieselbe Marter erleben muß. Zu Hause passen meine
Kinder, fünf sind’s, schon an der Straßenecke auf. Dann werde