120 Dritter Abschnitt. Einfluß des Konjunkturwandels und der Krisen.
günstiger Konjunktur zu, und das gleiche gilt auch für die Selbst
mordhäufigkeit.
Die folgende kleine Tabelle stellt in der gewohnten Weise den
Betriebsüberschuß der Eisenbahnen als Maßstab für die Wandlungen
der Konjunktur, der Selbstmordhäufigkeit und den Verurteilungen
wegen einfachen Diebstahls gegenüber.
Jahre
Es betrug der Betriebs
überschuß aut den
deutsch. Eisenbahnen
in Prozenten des An
lagekapitals
Es kamen
Einwohner Selbst
morde
ui! 1 Million
der strahnündigen Be
völkerung Verurteilte
wegen einf. Diebstahls
1898-00
6,08
201
215
1901-03
5,52
213
220
1904—07
6,40
208
208
1908—09
4,80
221
220
1910-12
6,15
217
207
1913
5,70
232
200
Diese Zusammenhänge sind keineswegs neue. In einem eng
lischen Report aus dem Jahre 1848 findet sich erwähnt, daß der
Sheriff einer Lanarker Grafschaft damals vor einer Kommission des
Oberhauses mitgeteilt hat, daß, wenn die Bank von England ihren
Diskontsatz erhöhte, er sich immer in der folgenden Art an die
lokalen Behörden zu wenden pflegte: „Gentlemen, die englische
Bank erhöht ihren Diskont, ihr müßt sofort Maßnahmen treffen,
um in den Gefängnissen, Hospitälern und Arbeitshäusern Platz für
neue Ankommende zu schaffen 1 ).“
Mit diesem Einfluß der Konjunkturschwankungen auf die wirt
schaftlichen Verhältnisse eines Landes verbinden sich dann auch
erhebliche Einwirkungen für die Gestaltung der öffentlichen
Einnahmen. Von den Änderungen in den Betriebsüberschüssen
der Eisenbahnen war schon oben die Rede gewesen. Auch hei den
meisten anderen öffentlichen Einnahmen, bei denjenigen aus Ein
kommen und Vermögen, bei denjenigen aus Verbrauchs- und Verkehrs
abgaben zeigt sich das gleiche. Das geht ja schon daraus hervor, daß
mit dem Wandel der Konjunktur die Höhe der Einkommen, die Größe
von Verkehr und Verbrauch erheblichen Veränderungen unterworfen
sind. Daß die Eingänge aus Zöllen bei einem Rückgänge der Kon
junktur zurückgehen, daß sie in der Depression geringer sind als
bei einer Hochkonjunktur, ergibt sich aus dem, was oben über die
l ) Nach Tugan-Baranowsky, Die sozialen Wirkungen, a.a. 0. S. 18.