Full text: Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

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Dritter Teil. Industrie. 
Essen, Schienen, Walzwerken thronen die Eisenfürsten, die geborenen Führer der neue» 
Wirtschaftsentwickelung. Am sie herum gruppieren sich die Inhaber der Kohlenwerke, 
der chemischen Fabriken, der größeren Textiletablissements, der Seehandelsgesellschaften, 
Wersten und Banken. Stufenweise folgen Inhaber von Baufabriken, Leiter der 
Konfettionsindustrie, Porzellanfabrikanten, Großbrauer, Papierfabrikanten usw. Es gibt 
kein Äeroldsamt, das diese Aristottatie einträgt, und keinen gothaischen Kalender für 
Industrieprinzen, aber das Volksleben als Ganzes fühlt die neue Erscheinung, und 
Namen wie Krupp, Stumm, Leyl, Siegle, Vorster, Voß, Siemens sind nur einzelne 
aus einer langen Reihe. Die Statistik kailn selbstverständlich auf diesem Gebiete nur 
ganz allgemeine Anhaltspunkte geben. Im Jahre 1895 wurden im deutschen Gewerbe 
17 941 Betriebe mit mehr als 50 Arbeitskräften gezählt. Rechnet man die Inhaber 
solcher Betriebe im allgemeinen zur industriellen Aristokratie im weitesten Sinne, und 
rechnet man die Landelsaristokratie hinzu, so muß man schon heute die Kopfzahl der 
neuen Oberschicht der der alten gleichstellen. Finanziell, wirtschaftlich bedeutet schon 
jetzt diese neue Oberschicht mehr als die alte, und, was die Hauptsache ist: sie wächst 
täglich. Politisch bedeutet sic noch weniger, weit weniger als die alte, aber das wird 
sich voraussichtlich ändern. 
Bei der Berufszählung von 1895, der letzten, die wir bis jetzt haben, fanden 
sich Großbetriebe im genannten Amfang und darüber in einigen hervorragenden Erwerbs 
zweigen in folgenden Zahlen: 
Baugewerbe 3298 
Textilindustrie 3260 
Industrie der Steine und Tr den 1930 
Industrie der Nahrungs- und Genußmittel 1856 
Industrie der Maschinen und Instrumente ... 1628 1 
Industrie der Metallverarbeitung 1422 | 4214 
Bergbau, ksiitten- und Salinenwesen 1164 | 
Die ungeheure Steigerung der Mittel des Antcrnehmertuins läßt sich ahnen, 
wenn man die Wertstatistik der Produktion einiger montanen Industriegebiete sich vor 
führt. Die Ziffern bedeuten Millionen Mark: 
1888 
1893 
1897 
1899 
1901 
Steinkohlen 
.... 341 
498 
648 
789 
1015 
Braunkohleii 
55 
66 
78 
110 
Kalisalze.... . , 
21 
26 
32 
43 
Eisenerze 
40 
60 
70 
72 
Roheisen im Biittenbetrieb . . . . 
.... 191 
216 
350 
456 
492 
628 
830 
1150 
1425 
1732 
Wenn eine so kurze Spanne Zeit genügt hat, um derartige Wertsteigerungen 
des Amsatzes hervorzurufen, so ergibt sich, wieviel Zuwachs an volkswirtschaftlicher 
Macht in wenigen Jahrzehnten im Gebiet des großindustricllen Anternehmertums sich 
anhäuft. Es häuft sich in den Großstädten und Industriebezirken ein Vermögen, das 
allen Besitz der Agrararistokratie in den Schatten stellt. Das in Preußen der Er 
gänzungssteuer unterworfene Vermögen wuchs in den Städten zwischen 1895 und 1902 
um nicht lveniger als um mehr als 9 Milliarden Mark, auf dem Lande um 2*/s Milli 
arde. Die Gesamtsumme dieses Vermögens ist in den Städten 47581 Millionen Mark, 
auf dem Lande 28076 Millionen Mark, wobei zu bedenken ist, daß viel mehr industrielles 
Vermögen auf dem Lande als agrarisches Vermögen in der Stadt versteuert wird. 
Während das Vermögen der vier Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Pommern und 
Posen zusammen nur 3795 Millionen ausmacht, hat allein der Regierungsbezirk
	        
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