—170 — Elftes Buch. Drittes Kapitel.
standinavische Zukunft seines Hauses voll ist er am 24. Ok⸗
tober 1375 gestorben.
Damit hatten die deutschen Fürsten aus der Bekämpfung
der dänischen Hegemonie keinen Vorteil gezogen; das wieder—
holte Vordringen der Grafen von Holstein nach Dänemark, der
erstmals gewagte Versuch der Mecklenburger, Schweden zu be—
herrschen, waren erfolglos geblieben. Als Sieger standen die
Städte da: sie allein ernteten die Früchte des Kampfes, wie
man ihnen noch heute nur zu gern allein den Ruhm desselben
zuschreibt: sie waren jetzt Herren der Ostsee, ja auch der
Nordsee.
Aber sie erwiesen sich des Errungenen würdig. Sie be—
griffen den Erfolg als einen Segen gegenseitigen Zusammen—
schlusses; es war keine Rede davon, die engere Einung wieder
fallen zu lassen; im Gegenteil, diese vergrößerte sich durch An⸗
schluß weiterer Städte: es sind die großen Zeiten der Hanse.
Als Kaiser Karl IV. im Jahre 1875 Lübeck besuchte, das
Haupt des Bundes, da redete er die Bürgermeister der Stadt
als Herren an und erklärte gegenüber ihrer bescheidenen Ein—
sprache: Gi sint heren; de olden registra der keiser wisen
dat ut, dat Lubeke is en der vif stede, de van keiseren
unde ereme rade is de name der herscop ghegheven, dat
se mogen gan in des keisers raat, wor se sin, da de
keiser is. Und der lübische Geschichtsschreiber Detmar, der
dies erzählt, setzt den selbstbewußten Kommentar hinzu: De
vif stede sint Roma, Venedie, Pisa, Florentie unde
Lubek«e.
Diese gewaltige Stellung, die zugleich einen Sieg über die
heimischen Fürstengewalten einschloß, erreichten aber die nord—
deutschen Städte fast zur selben Zeit, da die vlamischen Städte
den letzten großen Aufschwung ihrer Freiheit unter Philipp van
Artevelde sahen, da in Süddeutschland der schwäbische Städte—
bund als ein umfassender Bund bürgerlicher Freiheit gegen die
Fürsten geschlossen ward. Und man war sich dieses Zusammen—
hangs städtischer Bewegungen unter den Bürgern wenigstens
instinktiv bewußt; Detwar, der sonst wenig vom Süden des