Contents: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Jahre lang in ihrer alten.Verfassung erhalten, und es kann 
wohl gar vorkommen, daß der neue Staat im Grunde nur 
infolge der in ihm noch lebendigen Kräfte des alten zu be- 
stehen vermag. . 
Ganz anders in der Wirtschait. Hier ist alles auf 
raschen Eriolg eingestellt. 
Der Einsatz muß in nicht allzu ferner Zeit wieder heraus- 
kommen, und ein Irrtum in der Beurteilung des Zieles oder ein 
Fehlgreifen in der Wahl der Mittel rächt sich daher bald. Im 
Staate geschieht der Einsatz häufig im Hinblick auf Jahre und 
Jahrzehnte, und Fehler müssen öfter erst die nächst kom- 
menden Geschlechter büßen. Darum zeigen sich die Mängel 
einer Einrichtung und ihre Unmöglichkeiten so viel 
schneller auf dem Gebiet der Wirtschaift, als auf dem des 
Staates, In der Wirtschaft wird gleichsam die Probe auf 
das Exempel gemacht. 
Was dabei herauskommt, bedarf keiner Erörterung. 
Daß mit demokratischen Einrichtungen hier nicht durchzu- 
kommen ist, hat sich schon deutlich genug gezeigt. Wie 
sollte es anders sein, wo alle Tatkraft aufs höchste ange- 
spannt werden muß, um nicht zurückzubleiben, ja um das 
Feld der Tätigkeit immer weiter auszudehnen? 
Wie Sollten da all die Hemmungen der persönlichen 
Tatkraft ertragen werden; die nun einmal zum Wesen 
der Demokratie gehören? 
Wie sollte das Hineinreden der vielen und die beständigen 
Rücksichten auf ihre, doch niemals das Ganze übersehenden 
Meinungen möglich sein auf einem Gebiete, wo nur der 
höchsten Entschiedenheit des persönlichen Willens und dem 
nur unter freier Verantwortung möglichen Einsatz des ein- 
zelnen ein Erfolg beschieden sein kann? 
So erweist sich heute an der Wirtschaft‘ die Unmög- 
lichkeit der Demokratie. Aber was hier rascher und des- 
halb für viele deutlicher hervortritt, ist in Wahrheit eine 
allgemeine Erscheinung, und wer wollte bei schärferem 
Hinsehen die gleichen ungünstigen Folgen auch beim Staate 
verkennen? Am langsamsten werden sie übrigens auf dem 
dritten Gebiete sich zeigen, das sich der demokratische Ge- 
danke ebenso wie den Staat und die Wirtschaft zu erobern 
sucht, auf dem Gebiete des Geistes. Denn hier, auf dem 
Gebiet der Schule und der Erziehung, mahlen die Mühlen 
am langsamsten, und die zeitliche Spannung zwischen Ein- 
satz und Erfolg ist am größten, Darum sehen die auf diesem 
Gebiete drohenden Gefahren nur noch die wenigsten. Aber 
sie werden, je Später sie sich zeigen. und um so weniger 
daher für ihre Abwehr geschieht, um so größere sein. 
Denn auf dem geistigen Leben beruht zuletzt Wirt- 
Schaft wie Staat, nur aus dem geistigen Leben kann 
ihnen Antrieb und Erneuerung kommen. Wo werden 
sie selbst hintreiben, wenn auch auf dem Gebiete des 
Geistigen, wie es die notwendige Folge der heutigen 
Schulpolitik sein muß, alle Selbsttätigkeit und jeder 
höhere geistige Schwung erstickt ist?
	        
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