Contents : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

5.  Ernst  Wilhelm  Arnold!.

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beanstandet  habe.  Dann  schließt  der  Brief  mit  folgenden  Worten:  „Kein  Gedanke
konnte  mir  kommen,  daß  ich  mich  würde  zu  rechtfertigen  haben,  da  ich  ja  alles  beobachtet ­
  habe,  was  Allerhöchstdieselbe  veranlaßte.  Daß  ich  mir  durch  alle  meine  Bemühungen, ­
  Anstrengungen  und  Opfer,  die  ich  dem  „Inland"  seit  seiner  Begründung
widmete,  daß  ich  für  all  den  Verdruß,  den  es  mir  zuzog,  für  alle  die  getäuschten  Erwartungen ­
  —  mir  noch  die  Angnade  Eurer  Königlichen  Majestät  sollte  zugezogen  haben,
das  konnte  ich  mir  nicht  vorstellen,  ja  das  darf  ich  selbst  nicht  glauben,  wenn  es  gleich
der  Freiherr  von  der  Tann  auf  Allerhöchsten  Befehl  ausrichtete.  Ich  darf  es  nicht
glauben,  weil  ich  sonst  an  Allerhöchst  Ihrem  gerechten  Sinn,  an  der  ersten  Regententugend ­
  und  -Pflicht  und  an  allem  dem  irre  werden  müßte,  was  ich  als  das  Ausgezeichnetste ­
  Ihres  Charakters,  als  den  stärksten  Grundpfeiler  gegen  alle  Anfechtungen,
als  die  sicherste  Bürgschaft  für  alle,  welche  sich  mit  Redlichkeit  Ihrem  Dienste  weihen,
und  als  den  unwandelbarsten  Leitstern  Ihrer  Wandlungen  mit  Mund  und  Äerz  aussprach. ­
  Nein!  Allerhöchstdieselben  können  im  Irrtum,  aber  Sie  können  nicht  ungerecht
sein.  Sie  werden  Gerechtigkeit  auch  gegen  mich  beachten,  Sie  werden  mir  selbst  Genugtuung ­
  für  die  Anbill  verschaffen."
Cotta,  damals  67  Jahre  alt,  spricht  fast  noch  wie  Marquis  Posa.  Ob  er  für
die  bittere  Erfahrung,  die  er  mit  dem  liberalen  Kronprinzen  und  Anfangskönige  gemacht, ­
  wirklich  Genugtuung  erhalten  hat,  ist  aus  den  hinterlassenen  Papieren  nicht
zu  ersehen.
Wir  haben  die  obigen  Stellen  nur  deshalb  abgedruckt,  um  zu  zeigen,  wie  Cotta
immer  und  überall  ein  Mann  gewesen  ist  und  vor  Königsthronen  sein  Ehr-  und
Selbstgefühl  gewahrt  hat.

5.  Ernst  Wilhelm  Arnold:.
Von  Arwed  Emminghaus.

Lmmiilghaus,  Lriist  Wilhelm  Arnold!.  Leben  und  Schöpfungen  eines  deutschen  Kaufmanns. ­
  Weimar,  Hermann  Böhlau,  t«78.  S.  346—34S,  S.  352—354,  5.  356  und  S.  360-362.
Arnold!  war  von  großem  und  schlankem  Wüchse,  regelmäßig  und  kräftig  gebaut.
Sein  Antlitz  war  edel  und  frei.  Eine  hohe,  schön  gewölbte  Stirn,  eine  feilt  gebogene
Nase,  ein  durchaus  edel  geformter  Mund  mit  wenig  hervortretenden  Lippen,  die  dunklen
Augen  lebhaft,  tief,  klar  und  milde,  das  schönste  schwarze  Äaar,  reich  und  voll,  aber
schlicht  oder  doch  wenig  gewellt,  ohne  Scheitel  nach  vorn  über  die  Stirn  fallend,  die
Gesichtsfarbe  gesund,  aber  sein  und  dunkel,  —  so  ist  das  Bild  des  Sechsundfünfzigers,
welches  uits  Louis  Döll,  der  Maler,  voit  ihm  entworfen  hat.
Ist  es  das  Bild  eines  Dichters,  eines  Gelehrten,  eines  Staatsmannes?  Für  das
Bild  eines  schöpferischen  Geistes,  eines  großdenkenden,  eines  genialen  Mannes  halten
wir  es  gewiß.  Am  wenigsten  entspricht  es  unserer  Vorstellung  von  einem  praktisch
rechnenden,  erwerbseifrigen,  immer  das  nächste  Ziel  ins  Auge  fassenden  Kaufmanne.
And  ein  Kaufmann  im  eigentlichen  Sinne  des  Wortes  war  auch  Arnold!  nicht.
Das  Epitheton  auf  dem  Titel  dieses  Buches  „Ernst  Wilhelm  Arnoldi.  Leben  und
Schöpfungen  eines  deutschen  Kaufmanns"  deutet  mehr  auf  seine  äußere  Lebensstellung
als  auf  sein  inneres  Wesen,  soll  mehr  darauf  hinweisen,  wie  wünschenswert  es  wäre,
wenn  aus  dem  deutschen  Kaufmannsstande  öfter  solche  Wohltäter  der  Menschheit
hervorgingen,  als  daß  es  ihn  charakterisieren  soll.
            
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