Der Fortschritt zur Immanenz,
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hedingen und fordern. Aber wenn die Mystik den Prozess der
Offenbarung Gottes in das Innere des Individuums verlegt, so ist
Cusas Blick auf die äussere Natur und ihre Gesetzlichkeit gerichtet:
die Begrifte und Probleme der Statik werden ihm — in der Schrift
„de staticis experimentis“ — zum Anknüpfungspunkt und Vorbild
seiner Metaphysik. „Aus der engen, düsteren Zelle des mystischen
Dunkels, der mystischen Finsternis — so fasst Uebinger das Er-
gebnis seiner Untersuchung über den Cusanischen Gottesbegriff
treffend zusammen — führt die exakte Denkrichtung die Gottes-
lehre wiederum in die weiten, lichten Räume der Welt zurück. Jetzt
gilt es ,. den unsichtbaren Schöpfer aus der sichtbaren Welt zu
erkennen. Nicht der Unsichtbare selbst wird hier geschaut, aber
sein Bild, die Wirkung der höchsten Ursache, . . die Offenbarung
des unsichtbaren Gottes. Nach dem Bilde gilt es jetzt das Ur-
bild, nach der Wirkung ihre Ursache, nach dem Geschöpfe den
Schöpfer, nach der sichtbaren Offenbarung den unsichtbaren Gott
zu bestimmen.“®) ;
Wir verfolgen diese Wandlung der Gotteslehre nur inso-
weit, als sie sich im Grundbegriff von Cusas Erkenntnislehre,
im Begriff der „docta ignorantia“ darstellt und widerspiegelt.
Die Wissenschaft des Nichtwissens bedeutet zunächst in der Tat
nichts anderes, als die Aufhebung des absoluten Anspruchs der
Erkenntnis, als eine Schranke, die der menschlichen Erfahrung
und dem menschlichen Begriff gesetzt ist. Das Wissen, wie es
auf die Welt der Veränderung und der Mannigfaltigkeit bezogen
ist, vermag auch in sich selber nirgends zu einem sicheren Halt
und Stillstand zu gelangen. Wie der Stoff, der ihm von aussen
zufliesst, So bewegt sich auch der Charakter seiner Gewissheit in
einem beständigen Mehr und Weniger; wie jede höhere Stufe
nur durch einen quantitativen Fortschritt und Zuwachs des Er-
kennens erreicht wird, so kann sie, durch einen analogen Prozess,
in ihrem Werte herabgesetzt und vernichtet werden. Die eine,
unbedingte Wahrheit ist nur ganz und unteilbar zu erfassen; —
wo die Möglichkeit der Gradabstufung gegeben ist, da kommt
auch jeder einzelnen Stufe nur eine relative und jederzeit aufheh-
bare Sicherheit zu.)
Der ideelle Maasstab der höchsten Gewissheit, den wir in uns
iragen, verwandelt alles wirklich erreichte Wissen in eine blosse