Flußspat
128
Formaldehyd
wozu man entweder die flüssige Säure oder
einen Brei aus Flußspat und Schwefelsäure auf
die zu ätzende Fläche aufträgt oder letztere den
Dämpfen der Säure aussetzt. Soweit die Glas
gegenstände nicht durch einen Deckfirnis oder
Paraffinüberzug geschützt sind, zeigen sie in
folge der Ausscheidung von Salzen der Kiesel
fluorwasserstoffsäure mattgeätzte Stellen (Zeich
nungen, Inschriften, Thermometerskalen). Im
Laboratorium benutzt man die F. zur Auf
schließung der Silikate, wobei die gesamte
Kieselsäure als Siliziumfluorid ausgetrieben wird,
während die Basen, hauptsächlich die Alkalien,
Zurückbleiben. — Beim Einleiten des Silizium
fluorids, SiF 4 , in Wasser entsteht unter Ab
scheidung gallertartiger Kieselsäure eine Lösung
von Kieselfluorwasserstoffsäure (s. d,),
H 2 SiF 6 , die in der Zeugdruckerei als Ätzbeize
an Stelle von Weinsäure und beim Weißsieden
(Verzinnen) von Messingwaren, wie Stecknadeln,
Kleiderhaken usw. als Ersatz für Weinsäure be
nutzt wird.
Flußspat (Fluorit, frz. Spath-fluor, engl;
Fluor-spar), ein meist auf Erzgängen und in
Drusenräumen vorkommendes, aus Fluorkal
zium bestehendes Mineral, findet sich teils dicht
Und derb, in weißen oder grauen Massen, teils
in oft ziemlich großen Kristallwürfeln, die durch
sichtig wie Glas, farblos, oder verschieden ge
färbt sein können und im auffallenden Lichte
oft eine andere Farbe als im durchfallenden
Lichte zeigen (Fluoreszenz). Die blauen und
violetten Flußspate werden bisweilen als Halb
edelsteine, die weniger schönen zur Darstellung
von Flußsäure sowie als Flußmittel beim
Ausschmelzen von Metallen aus ihren Erzen be
nutzt. Von der Eigenschaft, sehr leicht schmelz
bare Schlacken zu liefern, leiten sich die Namen
'des Minerals ab. Es stammt hauptsächlich aus
dem Erzgebirge und dem Harze, England und
Norwegen. — Zu vergl, Edelsteine.
Folia ist die lateinische, im Drogenhandel ge
bräuchliche Benennung für Blätter, die, mit Aus
nahme der Kirschlorbeerblätter, nur im ge
trockneten Zustande in den Handel kommen.
Die wichtigsten sind: Folia aconiti, Eisenhut
blätter; F. althäeae, Eibischblätter; F. boldo,
Boldoblätter; F. bucco, Buccoblätter; F. coca,
Kokablätter; F. digitalis, Fingerhutblätter; F.
farfarae, Huflattichblätter; F. hyoscyami, Bilsen
krautblätter; F. lauri, Lorbeerblätter; F. lauro-
cerasi, Kirschlorbeerblätter; F. nicotianae, Ta
bakblätter; F. salviae, Salbeiblätter; F. toxi-
codendri, Giftsumachblätter; F. uvae ursi, Bären
traubenblätter usw.
Foral, ein Enthaarungsmittel, besteht aus einem
Gemisch von je 150/0 Strontiumsulfid, Stron
tiumsulfat und Kalziumkarbonat mit 45 0/0 Wei
zenstärke und geringen Mengen Soda und Zink
oxyd. Der Anwendung des durch seinen Ge
halt an Schwefelstrontium wirksamen Präpa
rates steht der unangenehme Geruch nach
Schwefelwasserstoff entgegen.
Force, ein als Universalnahrung auf den Markt
geworfenes amerikanisches Reklameprodukt,
besaß das Aussehen von Haferflocken und die
Zusammensetzung und den Geschmack altbacke
nen Zwiebacks. Größere Verbreitung scheint
es nicht gefunden zu haben.
Forelle (frz. Truites, engl. Trouts). Die Fo
rellen sind dem Lachs (s. d.) nahe verwandte
Knochenfische aus der Familie der Salmo-
nidae, die sich durch schöne Färbungen und
ein vorzüglich schmeckendes nahrhaftes Fleisch
auszeichnen. Die Anordnung der Flossen stimmt
mit derjenigen des Lachses völlig überein, doch
ist der Körper weniger schlank, sondern eher
etwas plump und gedrungen gebaut. Von den
zahlreichen Arten seien angeführt: 1. Die Bach
forelle (Salmo fario) lebt am liebsten in kla
ren Gebirgswässern und Waldbächen von nied
riger, nicht sehr wechselnder Temperatur,
kommt aber auch in größeren Flüssen vor und
kann sogar in Teichen künstlich gezüchtet wer
den. Je nach der Färbe des Gewässers wechselt
das Aussehen der Fische zwischen silberglän
zend (in hellen Bächen) und braunschwarz (in
Waldbächen mit moorigem Grunde). Der ganze
Körper, auch die Flossen, sind mit augenförmi
gen schwarzen und roten Tüpfeln verziert. Die
F., die in größeren Flüssen bis zu 1 m lang
werden kann, in kleinen Bächen aber meist nur
20 cm erreicht und unter 18 cm überhaupt nicht
gefangen werden soll, wird als Delikatesse ge
schätzt und meist hoch bezahlt. Die beständig
an Ausdehnung gewinnende künstliche Züch
tung in Teichen oder durch Aussetzen künstlich
befruchteter Eier in Bäche muß aber mit der
Zeit ein Sinken der Preise bewirken. Von Fein
schmeckern wird das derbe Fleisch der Wild
forellen demjenigen der gezüchteten vorgezogen.
Die Versendung erfolgt lebend oder geschlachtet
zwischen grüne Blätter verpackt. 2. Die Rot
forelle, auch Saibling, Ritter, Salbing,
Röteli, Schwarzrötel genannt (Salmo sal-
velinus) ist ein aus Amerika eingeführter Be
wohner der schottischen, skandinavischen und
schweizerischen Seen, der bis zu 5 kg schwer
wird, im übrigen aber der vorigen ähnelt. Als
Kennzeichen dient ein weißer Saum am vorde
ren Rande der Brust-, Bauch- und Afterflosse.
3. Die Regenbogenforelle (Salmo irideus) ist
durch einen rötlichen Streifen gekennzeichnet,
der längs der Seitenlinie vom Kopfe bis zum
Schwänze verläuft. Sie wird wie die vorgenann
ten wegen ihres vortrefflichen Fleisches ge
schätzt, ist aber weniger empfindlich und noch
leichter zu züchten als diese. See- und Meer-
forelle sind unter „Lachs“ besprochen worden
Foulards (Fulas, frz, und engl. Foulards)
nannte man ursprünglich ostindische, buntge
druckte seidene Hals- und Taschentücher. Jetzt
bezeichnet der Name Kleiderstoffe aus unge-
zwirnter Rohseide mit florettseidenem Schuß
oder auch ganz Seide gewebt, die in ver
schiedenen Druckmustern, aber auch streifig,
kariert, einfarbig in französischen, englischen
und deutschen Seidenfabriken hergestellt werden-
Formaldehyd (Ameisenaldehyd), ein von
A. W. Flofmann im Jahre 1867 entdecktes,
stechend riechendes Gas, FI. CHO, hat in Form
seiner wäßrigen Lösung als Formalin (Formel,
Methylaldehyd, lat. Formaldehydum solutum.
frz. Formaline, Forrnaldühyde, engl. Formal
dehyd) große technische Bedeutung erlangt
Zur Darstellung im großen wird ein trockener
Luftstrom durch Methylalkohol von 50 o/ 0 ge
saugt, und das Gemenge von Methylalkohol-