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„Freiheit vom Worte“,
stoff der Wissenschaft hervorzustellen. Auch in letzterer Hinsicht war
aber der Selbsterkenntnis der Nationalökonomie kein besonderer Dienst
erwiesen. Denn nur bei der so ganz anders, so viel schlichter ge
arteten Fragestellung der Systematischen Soziologie liefert die Handlung,
als Einheit des „verstehbaren“ Geschehens, den richtigen Angriffspunkt.
Übrigens zeigt sich, von daher gesehen, dann selbst das Wortgefüge
„Sozialökonomik“ in einer geistigen Verkürzung, bei der auch sein
innerer Widersinn sozusagen einschrumpft. Der Ausdruck wird also
verzeihlicher. So ist es auch kein Zufall, wenn dieser neue Name in
Heinrich Dietzel seinen Schöpfer fand. Ihm, in Sachen der „wirt
schaftlichen Handlung“, gleichwie Schäffle in Sachen des „wirtschaft
lichen Prinzips“, darf man auch das Streben nachrühmen nach einer
streng einheitlichen Ausrichtung der Theorie, hier von der „Hand
lung“, dort vom „Prinzip“ her. Mindestens seiner Idee nach taucht
bereits hiermit das alles beherrschende Grundproblem auf, wenn auch
der Griff nach seinem Inhalt noch fehlgeht. Unverkennbar regt sich
erstmals die Auflehnung gegen die blinde Herrschaft des Wortes
und gegen das starre Schema des Erkennens in Gestalt der „Güter
lehre“.
Inzwischen waren die beiden Grundauffassungen zusammengeprallt:
hie Menger, hie Schm oll er; der Drang nach Selbstbesinnung
lebt nun auf, gleich dem Recht auch im Streit geboren. Davon laufen
zwei ganz verschiedene Strömungen aus. Die eine schlängelt sich am
Kern der Sache eigentlich vorbei. Das betrifft die Ausgestaltung einer
„Lehre von der Wirtschaft“, zu den sonstigen „Lehren“ noch hinzu.
Abermals bejaht dies nur die Wortgebundenheit der Theorie, und dies
selbst dann, wenn man das gewisse „Abhorchen“ nicht gleich zur an
gepriesenen Methode macht, es vielmehr nur so nebenher einschlüpfen
läßt, was das Schlüsselwort alles „meint“. Auch dabei kommt man
vom Wort nicht frei. Man bleibt auf die Eingebung vom Wort an
gewiesen, transverbalen Einflüssen ausgeliefert. Dabei mögen die Er
gebnisse der Wirklichkeit noch so nahekommen und auch schon ein
einheitlicher Zusammenhang im Erkennen sie auszeichnen, der Weg
der Einkehr ist einmal nicht zu Ende beschritten; das Ganze setzt
an die Stelle der „klassischen“ Frühreife bloß eine Notreife unserer
Theorie.
Die andere Strömung führt in den Kern der Sache hinein. Frei
lich, dem äußeren Verlauf nach scheint sich wenig zu ändern. Woher
kommt dies ? Jene „Lehre von der Wirtschaft“ kann ihren vernünf
tigen Sinn auch nur in der Absicht sehen, daß sich dabei der Tat
bestand klärt, mit dem es unsere Wissenschaft zu tun hat. Hier wäre