Full text: Oekonomik der Transformationsperiode

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Normen der technischen Zweckmäßigkeit; dabei haben die 
verschiedenen Formen einen und denselben Klasseninhalt, 
wenn bestimmte Eigentumsverhältnisse und ein bestimmter 
Klassencharakter der Staatsgewalt gegeben sind. 
Als bestes Beispiel kann die Praxis der Bourgeoisie dienen. 
Von den Formen der „weitgehenden Demokratie“ ist die Bour 
geoisie im Zeitalter des Imperialismus zu einer Beschneidung 
der Rechte des Parlaments, zu dem System der „kleinen 
Kabinette“, zu der Stärkung der Rolle des Präsidenten usw. 
übergegangen. Aber bedeutete die Beschneidung der „Rechte 
des Parlaments“ und die „Krise des Parlamentarismus“ auch 
eine Einschränkung der Rechte der Bourgeoisie und die Krise 
ihrer Herrschaft? Nicht ira geringsten. Im Gegenteil, diese Er 
scheinungen kennzeichneten eine Stärkung der Herrschaft der 
Bourgeoisie, eine Zentralisierung und Militarisierung ihrer Ge^ 
walt, was ja in der Epoche des Imperialismus gerade vom Stand 
punkt der Bourgeoisie eine kategorische Notwendigkeit war. 
Wenn Spencer meinte, daß der „Industriestaat" seinem 
Wesen nach antimilitaristisch sein müsse, weil der Militarismus 
eine spezifische Eigentümlichkeit des Fcudal-Regimes darstelle, 
so war er tief im Irrtum, denn er erhob die Eigentümlichkeiten 
einer Phase der kapitalistischen Entwicklung zur Universalform. 
Der Weltkonkurrenzkampf, der die gesamte Entwicklung in das 
Zeichen des Krieges versetzte, zwang die Bourgeoisie, die Form 
ihrer Herrschaft zu ändern. Aber nur vulgäre Köpfe können 
darin eine Schmälerung der Rechte der Bourgeoisie zugunsten 
einer nicht existierenden Größe erblicken. Nicht einmal das so 
genannte „Personen - Regime" darf man der Klassenherrschaft 
entgegenstellen. Im Gegenteil, bei einer bestimmten Kombb 
nation der Verhältnisse kann die Klassenherrschaft gerade im 
Personen-Regime am meisten ihren adäquaten Ausdruck finden. 
So z. B. die Herrschaft der Großgrundbesitzer, die im Absolutis-
	        
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