Koalitionsverbote und infolgedeffen das Aufleben der eng-
lifchen Gewerkvereine. Ihr ganzes Streben ging dahin, die Lohn-
und Arbeitsverhältniffc nicht mehr als unabwendbares Sch ick -
fal hinzunehmen, fich alfo von der Parole, des „laisser faire“
zu emanzipieren. Sie wollten die Gestaltung des Lohnes in
ihrem Sinne beeinfluffen. Gleichwohl konnte fich ihre Lohn
politik anfänglich noch nicht von den herrjehenden national-
ökonomifchen Ideen frei machen. Auch fie [fanden anfangs
noch im Banne der Lehre, da(z der Arbeitslohn nur beftimmt
werde durch Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt.
Darum erfchöpft fich die Lohnpolitik der englifchcn Gewerk
schaften zunächft in der Regelung des Lehrlingswefens, in
Arbeitsnachweis, in Reife- und Arbeitslofenunterftützung.
Gerade die letztgenannten Einrichtungen waren damals
weniger als Unterftützungscinrichtungen, Sondern als Mittel
zur Beeinfiuffung des Arbeitsmarktes gedacht. Erft um die
Mitte des 19. Jahrhunderts bildet fich im Gewerkverein der
Mafchinenbauer der Typ des gewerkschaftlichen Zentral-
verbandes aus, und gleichzeitig damit kommt der gewerk
schaftliche Grundgedanke zur vollen Auswirkung, der an die
Stelle des individuellen Arbeitsvertrages den Kollektivvertrag
fetzt und fich zu diefem Zwecke des auf der Bafis der
Gleichberechtigung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer ab-
zufchliejzenden Lohntarifs bedient.
Der L o h n t a r i f als Mittel gewerkschaftlicher Lohnpolitik
hat fich feitdcm bis auf die Gegenwart behauptet und fich in
feinen Formen immer mehr vervollkommnet. Freilich ift
diefe Methode der Lohnpolitik nicht unumftritten geblieben.
Bekanntlich beftcht das Wefen der gewerkschaftlichen Tarif
politik darin, dafz gewerkschaftliche Zentraiverbände der
einzelnen Gewerbe mit den beteiligten Arbeitgeberverbänden
auf der andern Seite möglichft einheitlich für grojze Wirt
schaftsgebiete, letzten Endes für das ganze Reichsgebiet