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sätze aber im Gegenteil sehr verschieden sind, bedingt durch die ver
schieden hohen Umsätze, so fällt damit auch die ökonomische Voraus
setzung für die gleichen Preise fort.
Untersuchen wir aber, ob ein Prinzip ungleicher Preise, aufge
baut auf der Verschiedenheit der Unkostensätze in den einzelnen Ab
gabestellen, überhaupt praktisch durchführbar ist. Würden wir an dem
Prinzip selbst der Ungleichheit der Preise festhalten, so würden wir
allerdings auf eine Reihe von Schwierigkeiten stoßen. Kommt es
uns aber nur auf den Endzweck an, so lassen sich diese Schwierig
keiten leicht umgehen durch Einführung einer ungleichen Rückver
gütung an Stelle der ungleichen Preise. Damit würden bedeutende
Vorteile gegenüber dem heutigen System erreicht:
1. Die Mitglieder würden bestrebt sein, ihren Bedarf möglichst
in wenigen Verteilungs st eilen zu decken, anstatt wie heute
auf Eröffnung immer neuer Abgabestellen zu drängen, deren oft hohe
Unkosten von den andern getragen werden müssen.
2. Denkende Konsumgenossenschafter — die nicht denkenden müssen
zum Denken systematisch erzogen werden, wie es ja auch heute ge
schieht — würden bei niedrigem Umsatz einer Verteilungsstelle mehr
als bisher bestrebt sein, den Umsatz zu erhöhen, um dadurch
die Unkosten pro Gütereinheit zu mindern") und so eine höhere Rück
vergütung zu erreichen.
3. Der Wettbewerb zwischen den einzelnen Verteilungs
stellen, der heute wohl bei ihren Leitern, nicht aber bei den Entnehmern
von Bedarfsartikeln besteht oder doch nur gering ist, würde auch auf
") Das umgekehrte Verhältnis der Unkostenhöhe zur Höhe des Umsatzes
zeigen uns deutlich die folgenden Beispiele:
Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend (1912/13)
Umsatz
Zahl der Abgabestellen
Unkosten
unter 50 000
1
8,4
50— 75 000
4
7,5
75—100 000
10
8,0
100—150 000
46
6,8
150-200 000
26
6,2
200—250 000
15
6,0
250—300 000
4
5,5
über 300 000
1
5,2
Konsumgenossenschaft „Eintracht", Essen (1912/13)
Verteilungsstelle
Umsatz
Beschäftigte Gehälter u.
Miete,
Gesamt-
M.
Personen Kassenbeiträge
Licht usw.
Unkosten
Nr. 8
384 278
13 13 848
2499
16 427
Nr. 15, 77, 49,
94 u. 97
369 427
19 16 586
7961
24 943
Schloefser, Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung. 8