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4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
Spruch genommen ist. Hierzu kommt die Kompliziertheit der Über
wälzung der indirekten Steuern, die daraus folgende geheimnisvolle
Natur derselben, welche jeden mit der Hoffnung schmeichelt, daß
nicht er, sondern ein anderer die Steuer bezahlen werde, während
die direkten Steuern ihrem Wesen nach nicht überwälzbar sind.
Einen wichtigen Charakterzug der indirekten Steuer bildet deren
Anpassungsfähigkeit, deren Folge es ist, daß dieselbe sich allen
politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Systemen anzuschmiegen
vermag. Hauptsächlich diesem Umstande ist es zuzuschreiben,
daß dieselbe seit den ältesten Zeiten besteht, unter den verschiedensten
Staatsformen, bei den verschiedensten Kulturgraden. Sie kommt
ebenso in der griechischen und römischen Welt vor, wie in den
mittelalterlichen germanischen Staaten; heute bildet sie ebenso eine
der wichtigsten Einkommensquellen des auf der höchsten Stufe der
wirtschaftlichen Entwicklung stehenden Englands, wie der auf
niedrigerer Stufe stehenden Türkei; in den Städten finden wir sie
ebenso, wie in den ländlichen Agglomerationen, kurz, keine Periode,
kein Kulturgrad, keine Wirtschaftsepoche, denen die indirekte
Steuer unbekannt gewesen wäre, während die Entwicklung der
direkten Steuer nur unter gewissen Umständen erfolgte. Dies be
weist die Vielseitigkeit dieser Steuerart und hierin liegt ein Haupt
vorteil derselben. Heute akkommodiert sie sich der Auffassung, daß
die Steuer aus dem Einkommen zu bestreiten sei, in früheren Jahren
fand sie ihre Rechtfertigung in anderen Momenten. Ich glaube
nicht zu irren, wenn ich der Ansicht Ausdruck gebe, daß eines der
ältesten Motive zur Einführung der indirekten Steuer der Umstand
war, daß der Besitz gewisser Gegenstände wirtschaftliche Kraft
bedeutete und diese insbesondere in den Händen jener besteuert
wurde, die durch die Inverkehrssetzung dieser Gegenstände zu
Gewinn kamen. Im Altertum und ganz besonders im Mittelalter
entwickelte sich die indirekte Steuer aus der Gebühr, was der
privatrechtlichen Auffassung des Mittelalters entsprach; nach ge
wissen Waren wurden Steuern gezahlt, weil der Verkehr derselben
die Inanspruchnahme gewisser öffentlicher Institutionen erforderte;
Wege, Brücken mußten gebaut werden, andere Einrichtungen mußten
geschaffen werden usw. Andererseits entwickelte sich die indirekte
Steuer auch aus den mittelalterlichen Naturalleistungen und Ge
schenken, namentlich in den Städten, wo die Geldwirtschaft früher
zum Durchbruch kam. Welche Argumente also auch gegen die
indirekten Steuern ins Feld geführt werden, ihre proteusartige Natur
sichert ihnen eine große Wichtigkeit in jedem Steuersystem noch
für lange, da sie mit den divergierendsten volkswirtschaftlichen Auf-