Kern hinzuweisen, der eine Erklärung für die. offensicht-
liche Entwertung früher angesehener Berechtigungen: zu
geben vermag. Ob die moderne Berufsentwicklung die
Anforderungen an .den Ausübenden regelmäßig und
überall steigert, ist fraglich. Vielfach ist es jedoch
der Fall, und soweit führt die natürliche Entwicklung des
Berufsinhaltes von selbst dazu, daß auch die schulmäßigen
Anforderungen an den Berufsanwärter gesteigert werden
müssen.
Ein allgemeiner Grund für die Entwertung unserer
Berechtigungszeugnisse liegt aber in der geringeren
Leistung unserer heutigen Schulen,
Das gilt ganz besonders für diejenigen Schularten, die am
stärksten in die Unruhe der sozialen Auseinandersetzungen
unserer Zeit hineingezogen werden, für Volksschule und
Berufsschule. Jedesmal, wenn zu Ostern die Schulentlasse-
nen auf ihre Berufseignung hin psychotechnisch unter-
sucht und dabei ihre Schulkenntnisse geprüft werden,
treten die Firmen, Arbeitgeberverbände und Handels-
kammern immer wieder mit denselben Klagen hervor, daß
die. Absolventen: der Volksschule den einfachsten und
elementarsten Wissenstoff: Deutsch, Rechnen und
Rechtschreibung, nicht in einem auskömmlichen
Maße beherrschen. Dasselbe gilt . für die _entlassenen
Berufsschüler. Gesellenprüfungen ergeben immer
wieder, daß die praktische Berufsausbildung
in den Beifrieben in den Leistungen der
Berufsschule nicht das nötige geistige
Fundament findet. Das Ausweichen der Industrie
in die Werkschule und Lehrwerkstatt findet
hier vielfach ihre schulpolitische Erklärung. Die
Schwächeunseres heutigen Berechtigung Ss-
wesensliegtalso weniger in seiner mangel!l-
haften Form als in seinem unzulänglichen
Inhalt. Die Leichtfertigkeit, mit der seit Kriegsende
neue pädagogische Maximen., geprägt, Experimente durch-
geführt und die Erfahrung von Jahrhunderten beiseite-
zeschoben wurden. rächt sich. Hier muß die Reformarbeit
einsetzen.
Neuer Wein in die alten Schläuche, das ist die
Forderung der Stunde,
Selbst auf die Gefahr hin,‘ daß sich dabei. herausstellen
sollte, daß der Rückgriff auf „alte und bewährte
Marken“ nicht zu vermeiden ist, Wiederholt hat‘ der
gegenwärtige preußische Kultusminister betont,
daß die Schwächen unseres heutigen Berechtigungswesens
mehr aus der inneren Einstellung aller Beteiligten heraus
überwunden werden müssen. Dieser Forderung kommt die
moderne Beruisberatung und Berufseignungsprüfung ent-
gegen. Gerade die rein mechanische Anwendung des Be-
rechtigungs-Zertifikates wird ja in steigendem Maße von
der Seite der Psychotechnik und Grarhologie beseitigt.
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