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Erstes Buch, Cap. 1.
verstehen, wenn es nur ihrem Verständniss klar und in einer
Weise vorgestellt wird, die nicht durch Selbstsucht Argwohn
arregt, noch beleidigt, indem sie sich zu viel herausnimmt.“
Wir haben also scharf ausgeprägt die doctrinäre Unduld-
samkeit des rationalistischen Radicalismus, Da Paine die
Menschenrechte hauptsächlich für die Engländer schreibt, so
finden wir ihn hier mehr als in den früheren Schriften geistes-
verwandt mit Bentham und Cobbett. Die manchesterlichen
Ideen treten noch häufiger auf als in der Krisis.
Aehnlich wie es Bentham thut, stellt auch Paine die
Autorität von Adam Smith hoch; stark tritt der Gedanke der
Einschränkung der Befugnisse der Regierung hervor: „Es
thut die Gesellschaft für sich selbst fast Alles, was der Regie-
rung zugeschrieben wird — die Regierung ist nicht weiter
nothwendig als zur Ergänzung bei den wenigen Fällen, wo
Gesellschaft und Civilisation nicht bequem ausreichen. — Je
höher die Civilisation vorgeschritten ist, um so weniger bedarf
sie einer Regierung. — Die Regierung ist Nichts weiter
als eine nationale Verbindung, welche nach den
Grundsätzender Gesellschaft handelt“ (S. 113—117).
Schon in der Vorrede spricht Paine von der ewigen Ver-
bannung des Krieges; S. 156 von „dem friedlichen System
des Handels, das eine Verbrüderung des Menschen anbahnt‘;
„das wirksamste Verfahren ist das, die Lage des Menschen
durch Beförderung seines Interesses zu verbessern und auf
diesem Boden nehme ich meine Stellung. Wäre dem Handel
gestattet, in der allgemeinen Ausdehnung, deren er fähig ist,
wirksam zu sein, so würde er das Kriegssystem vertilgen und
eine Revolution in dem uncivilisirten Zustand der Regie-
rungen erzeugen“ — wahrlich eine Stelle, welche die Fest-
redner im Cobden Club 1875 hätten citiren können. Der
kosmopolitische Zug wird nun ebensoviel stärker als die Sym-
pathie mit dem Handelsinteresse: „Mein Vaterland ist die
Welt, meine Religion Gutes thun‘“ (S. 171).
Ganz im Geiste solcher manchesterlich kosmopolitischer
Friedensliebe ist es, wenn S. 144 gesagt wird: „Jedermann
wünscht seinem Geschäfte nachzugehen, die Früchte seiner