R. Malthus.
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Grundlage, wie die Pflicht zu jeder anderen Tugend.‘ Oder
Cap. 2: „Zu den Christen würde ich sagen, dass die Schrift
es aufs Klarste und Bestimmteste als unsere Pflicht hinstellt,
unsere Leidenschaften in den Grenzen der Vernunft zurück-
zuhalten ete.“
Mässigung der natürlichen Triebe erscheint als sittliche
Pflicht des Einzelnen, gemässigter Fortschritt ist das Ideal,
welchem nach Malthus alle politischen und socialen Institu-
Honen dienen sollen. —
Ich werde gleich zeigen, dass und wie 6&r den Einfluss
nenschlicher Institutionen zu gering schätzt; indessen er unter-
sucht überhaupt die Frage, wie sich gesellschaftliche Kin-
richtungen und individuelles Thun zu einander verhalten.
Jene Unterschätzung entsprang nur aus dem Bestreben, vor
übereilter und radicaler Aenderung englischer Institutionen
zu warnen; und wenn dieselbe im Sinne des einfachen „Laissez
faire“ ausgebeutet worden ist, SO geschah es gegen den Geist
des Werkes. .
Von der französischen Revolution sagt Malthus gelegent-
lich der Besprechung von Condorcet’s „Esquisse d’un Tableau
Historique des Progres de V’Esprit Humain‘“: „Der Anblick
einer der erleuchtetsten Nationen der Welt, welche erniedrigt
ist zu einer gährenden Masse von abschreckenden Leiden-
schaften, (Furcht, Grausamkeit, Bosheit, Rachsucht, Ehrgeiz,
Tollheit und Wahnwitz, die selbst den wildesten Nationen in
barbarischer Zeit zur Schande gereichen würden, müsse für
seine Ideen vom nothwendigen und unvermeidlichen Fortschritt
des menschlichen Geistes eine erschreckende Erschütterung
sein, der nur die tiefste Ueberzeugung von der Wahrheit
seiner Principien im Gegensatze zu allen äusseren Erschein-
angen widerstehen könnte“ (Buch III, Cap. 1).
Ebenda Cap. 2: „Die Wahrheit ist, dass, obwohl mensch-
liche Institutionen die offenbare Ursache vieler gesellschaft-
licher Missstände zu sein scheinen, und es in der That oft
sind, sie doch in Wirklichkeit von unerheblicher und ober-
fÄächlicher Bedeutung sind. im Vergleich mit jenen tiefer