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Erstes Buch, Cap. 4.
Der Poor Man’s Guardian zeichnet sich nicht nur durch
die Leistungen der jugendlich aufbrausenden Talente seiner
Mitarbeiter aus, sondern insbesondere dadurch, dass er von
Anfang ab die socialen Interessen der Arbeiter scharf erkannte
und vertrat. Es war kein Journal, das den abseits stehenden
rein wirthschaftlichen Bestrebungen der Gewerkvereine oder
der Cooperation diente — die unpolitische Gesinnung der
Cooperationsfreunde wird sogar heftig getadelt; es war vor
Allem ein politisch-radicales Blatt, aber mit so exceptionell
scharfer Betonung des speciellen Arbeiterstandpuncts, dass es
weit über Cobbett hinausging, der der beste Freund der
Arbeiter genannt wird und Alles zusammen genommen, hatte
das Blatt eine Richtung, welche mit der unserer heutigen Social-
demokratie nahezu zusammenfällt. Es ist mir in der ganzen
englischen Literatur kein Organ und kein Buch vorgekommen,
das man mit Recht eigentlich socialdemokratisch nennen
könnte‘, ausser diesem Producte einer Zeit allgemeiner Gäh-
rung, das dem späteren Chartismus direct vorarbeitete und
womöglich noch wilder und extremer war als der Chartismus
selbst.
Da das Blatt vor 1832 entstand, so soll es hier besprochen
werden. Es, verdient allgemeine Beachtung in Bezug auf den
bekannten Streit, wann und von wem das Programm der
heutigen Socialdemokratie zuerst formulirt worden ist. Es
schliesst gleichsam den alten englischen Radicalismus der Zeit
vor 1832 ab und begründet zugleich den neuen Radicalismus,
in dem der Streit zwischen Capital und Arbeit die Hauptrolle
spielt.
In der ersten Nummer vom Juli 1831 wird von Gewissens-
freiheit gesprochen, wenn auch die Religion nur vom politi-
schen Standpunkt berührt werden soll. Es wird auch sofort
recht verlangt, das Armenrecht angegriffen, die Antikornzollagitation ver-
dächtigt, die „Profitmacher“, die schlimmer als die Aristokraten sind, an-
gefochten — — extreme politische Gleichheitsideen, nicht extrem 80ocia-
listische Pläne herrschen, wenn auch der Gegensatz zwischen Arbeit und
Capital erkannt resp. empfunden ist.