Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

404 Zweites Buch, Vorbemerkung. 
zwar nicht nur in einseitig manchesterlichem oder extrem socia- 
listischem Sinne. Es machte sich namentlich in der Literatur eine 
starke Tendenz nach objectiver detaillirter Erforschung der That- 
sachen und nach wahrhaft humaner Reform geltend. Zeuge 
hiervon ist unter Anderen das Buch: Les ouvriers europeens von 
Le Play, welches detaillirte Schilderungen der gesammten Lebens- 
bedingungen verschiedener Typen von Arbeitern aus allen Län- 
dern enthält. Darunter kommen auch englische Arbeiter vor. 
Indessen ist der Werth des Buchs ganz vorherrschend ein metho- 
dologischer und geschichtliche Schilderungen der Entwicklung der 
Grossindustrie für England von Bedeutung kommen darin nicht 
vor. Noch reichhaltiger und werthvoller ist Villerm6’s bekanntes 
Buch: Tableau de l’6tat physique et moral des ouvriers etc., 1840; 
die eigenen Beobachtungen des Verfassers beziehen sich aber der 
Hauptsache nach nur auf französische Verhältnisse. 
Von allgemeinen Geschichtswerken, worin sociale Verhältnisse 
eingehend berührt werden, ist zu erwähnen: Washington Wilts, 
the half century, London 1853; und die bekannte Schrift der 
Miss Martineau, history of England during the thirty years’ peace, 
1816—1846, 2 Bände, London 1849 und 1850, wovon auch ein 
deutscher Auszug erschienen ist. Die Verfasserin ist wohlmeinend, 
aber manchesterlich beschränkt. 
Die kurze Schrift von Ludlow und Jones, progress of the 
working class 1832—1867, London 1867, ist bedeutend durch 
ihre Wirkung. Sie behandelt eigentlich nur die Zeit nach 1832, 
ist aber für unsern Zweck in sofern doch wichtig, weil die Zustände 
des Ausgangsjahres 1832 gut geschildert sind. mehr mit Worten 
als mit Zahlen. 
Marx in seinem Buche „das Capital“ (erste Auflage 1867) 
verweist betreffs der älteren Zeiten auf Engels. Das Buch ist 
bekanntlich kein historisches, sondern ein dogmatisches ; es dominirt 
lie Entwicklung der Begriffe und ihrer Gegensätze, d. h,. dass und 
wie das Capital die Arbeit unterjocht und ausbeutet und dadurch 
schliesslich sich selbst vernichtet. Diesen dialektischen Unter- 
suchungen, die hier zu kritisiren nicht der Ort ist, ist dann nament- 
lich in den Noten eine gewaltige Gelehrsamkeit angefügt. Be- 
sonders werthvoll dabei ist die Kenntniss der älteren, namentlich 
vor A. Smith’schen nationalökonomischen Literatur, aus der be- 
leutsame Folgerungen über die gleichzeitigen socialen Zustände 
gezogen werden. Ferner ist die Benutzung einer Reihe minder 
bekannter Schriften aus der Mitte des 18 ten Jahrhunderts über 
damalige Arbeiterverhältnisse, sowie die Benutzung des Quellen- 
materials an Parlamentspapieren seit 1845 und namentlich seit 
1848 hervorzuheben. welche wohl bis jetzt in keinem anderen
	        
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