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Zweites Buch, Cap. 3.
es natürlich Uebergänge und Mittelglieder. Der eigentliche
Handwerksmeister verliert schon Etwas an seiner Selbständig-
keit, sowie er auch nur theilweise nicht mehr direet für den
Tonsumenten arbeitet, sondern seine Producete durch Com-
missionäre absetzt, oder sie gewohnheitsgemäss nur an Gross-
händler oder Inhaber von Verkaufsläden absetzt und auf Be-
stellung solcher Geschäftsleute arbeitet. Es kommt auch vor,
dass Jemand einfach gleichzeitig Handwerker und Haus-
industrieller ist, z. B. ein Schneider, der theils auf Bestellung
von Consumenten, theils für ein Kleidermagazin arbeitet.
Bei der Hausindustrie macht es einen grossen Unterschied,
ob sie als intermittirender Nebenerwerb betrieben wird, wie
z. B. die Spitzenklöppelei in Bauernfamilien, oder ob sie aus-
schliesslicher Lebensberuf ist. Nur in letzterem Fall ist sie von
grosser soclaler Wichtigkeit.
Die Fabrikindustrie endlich ist jene Betriebsform des Ge-
werkes, in welcher ein Capitalist mechanische Arbeiter gegen
Lohn in seinem Hause arbeiten lässt ohne sich selbst an
der mechanischen Arbeit zu betheiligen. Der grosse Capitalist
trägt‘ nicht nur das Risico beim Einkauf des Rohstoffs und
Absatz des Produets und nimmt dem Arbeiter dieses Risico
sammt seiner Selbständigkeit, sondern er wird auch alleiniger
Herr des Arbeitsraumes, der Werkzeuge und der Technik.
Der Arbeiter arbeitet nicht in seinem Hause, wo er Herr ist
über seine Angehörigen, sondern er ist während der Arbeit
nur Diener. Die Familienbande werden durch die Arbeit auf-
gelöst, Zugleich verliert der Arbeiter die Hoffnung, der Regel
nach in den Fabrikantenstand aufsteigen zu können; Arbeiter
and &abrikanten scheiden sich schroff als zwei Stände mit
antgegensetzten Interessen,
Wenn ausser der menschlichen Muskelkraft andere Mo-
toren, z. B. Wasser- und Dampfkraft angewendet werden, so
spricht man oft von eigentlichen Fabriken, im Gegensatz zu
blossen Manufacturen. Doch ist dieser Unterschied nicht von
wesentlicher Bedeutung. Auch in der Manufactur ist die
Unselbständigkeit des Arbeiters vollendet. auch hier entwickelt