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Zweites Buch, Cap. 5.
sie von Liederlichkeit abhält. Wer sich aber die Mühe giebt,
die Berichte ganz zu lesen, muss in ihnen den Beweis finden,
dass die sich entwickelnde Grossindustrie eine Ausbeutung
und Aussaugung der Menschenkraft mit sich brachte.!) Dieses
Uebel klebt der Grossindustrie nicht nothwendig an und sie
muss nicht nothwendig daran zu Grunde gehen. Unzweifel-
haft aber stellte es sich in einem bestimmten Stadium der
Entwicklung der Grossindustrie ein und lebte in wechselnden
Formen auch nach dem Beginn einer energischen Fabrikgesetz-
gebuneg fort.
5 2. Gesundheits- und Wohnungsverhältnisse.
Ure hält das Leben der Fabrikkinder für das denkbar
gesundeste;?) nach seiner Meinung wurde Sadler nur von
Aerzten mystificirt, in einer Weise?), dass man daraus eine
neue Scene für Moliere’s Malade imaginaire machen könne.
Wenn die Fabrikarbeiter krank würden und das „Fabrikbein“
bekämen, so sei daran nicht die Fabrikarbeit, sondern nur
die eigene Thorheit der Arbeiter, die sich nicht vernünftig er-
nähren etc. Schuld.*) Ebenso behauptet Cooke Taylor 5), dass
zwar in der That die Arbeiter in Manchester in sehr schlech-
ten Wohnungen leben, das sei aber anderswo auch nicht besser,
und das Fabriksystem sei nicht die Ursache davon, sondern
Jer hohe Preis des Bodens und schlechte Localpolizei. Uebri-
gens sei Morbidität und Mortalität der Fabrikarbeiter gerin-
ger als in anderen Ständen ©), man sehe das auch daran, dass
junge Mächen lieber Fabrikarbeiterinnen werden als Dienst-
boten. Die grossen Städte und die übrig gebliebenen Reste
7) S. das zusammenfassende Urtheil des Reports von 1843 in un-
zerem Anhang K.
?) Philosophy etc. S. 288.
%) a. a O0. S. 374.
*) a. a. O, S. 385 —401,
°) Factories and the Factory System. London 1842. S. 13.
5a. a. 0.8.56