Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

ge 
Elftes Buch. Zweites Napitei. 
Verbindung ihrer getrennten Besitzungen an Rhein und Donau 
noch ein geeintes Süddeutschland bilden können. Neben Johann 
und Friedrich endlich meldete sich, wie üblich, der Kurfürst von 
der Pfalz. 
Notwendig für eine rasche und einige Wahl wäre vor allem 
die Gewinnung des Kölner Erzbischofs Heinrich durch die beiden 
anderen rheinischen Erzbischöfe gewesen. Aber eben hier er⸗ 
gaben sich Schwierigkeiten. Heinrich hielt einstweilen noch zurück 
und suchte im übrigen nach altem Kölner Brauch sich die Stimmen 
von Sachsen und Brandenburg übertragen zu lassen. Erst 
später, auf einem Tage zu Rhense im Juni 1814, war dann 
die Lage soweit geklärt, daß nunmehr Pfalz, Köln und Branden⸗ 
burg für Friedrich von sterreich gewonnen schienen, während 
die Erzbischöͤfe von Mainz und Trier noch an Johann fest⸗ 
hielten. Indes war doch nicht mehr zu verkennen, daß sich die 
Kandidatur Johanns schwerlich noch werde durchsetzen lassen: 
die Mehrheit der Kurfürsten wollte keinen Luxemburger. Und 
so entschlossen sich Mainz und Trier am Ende auf Johann zu 
verzichten und an seiner Stelle einen tüchtigen Nichthabsburger 
aufzustellen. Geeignet hierfür schien vor allem der Herzog Lud⸗ 
wig von Bayern: kurz vorher hatte er gelegentlich einer Haus— 
fehde den Kandidaten der Gegenpartei, Friedrich, in blutigem 
Kampfe bei Gammelsdorf (9. November 1318) geschlagen, so 
daß sein Kriegsruhm durch ganz Deutschland erscholl; zudem 
war er der Bruder des Pfälzer Kurfürsten, und so durfte man 
für seine Wahl auf dessen Stimme hoffen. Ludwig, anfangs 
über das Angebot der Erzbischöfe überrascht, griff doch schließ⸗ 
lich zu, obwohl Friedrich als sein engster Freund galt und 
der Spielgenosse seiner Jugend gewesen war. 
So mußte es zu einer Doppelwahl kommen. Sie fand 
am 19. und 20. Oktober 1314 statt. Auf ihr erhielt, da 
Böhmen sowohl durch Johann wie durch Heinrich von Kärnten, 
also doppelt vertreten war, jeder der Bewerber vier Stimmen. 
Darnach war klar, mochte auch das Recht der Stimmen Ludwigs 
etwas besser sein, daß nur Gottesurteil durch Kampf zwischen 
beiden Königen entscheiden könne. Und glücklich noch, daß
	        
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