Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

38 Elftes Buch. Zweites Kapitel. 
Wager in der Politik wie im Würfelspiel, immer plänereich, 
niemals im Besitze von Mitteln, Europa von Hof zu Hof und 
von Land zu Land durchjagend, hatte er eben damals die 
merkwürdigsten Projekte für sein Haus im Kopfe. Während 
er im Osten auf die Krone Polens spekuliert und Schlesien 
wirklich erworben hatte!, hatte er gleichzeitig versucht, im 
Süden eine Herrschaft zu gründen, indem er sich mit Heinrich 
von Kärnten, dem alten böhmischen Prätendenten, versöhnt und 
durch eine Heirat zwischen seinem Sohne Johann Heinrich und der 
Tochter Heinrichs, Margaretha Maultasch, Ansprüche auf Kärnten 
gewonnen hatte. Diese Aussichten im Süden war er nun zu er⸗ 
weitern bestrebt, indem er nach Ludwigs Heimkehr aus Italien 
darauf ausging, die Lombardei zu erobern. Und das geschah 
anfangs mit unbestreitbarem Erfolge, namentlich in den großen 
norditalischen Städten; schon konnte Johann seinem Sohne, 
dem späteren Kaiser Karl IV., die Statthalterschaft Ober—⸗ 
italiens übertragen. 
In diesem Augenblicke aber bedurfte es zur Befestigung 
der italienischen Fortschritte der kaiserlichen Genehmigung. Sie 
ward von Ludwig im Juli 1331 in der Form erteilt, daß 
Johann die erworbenen italienischen Signorien vom Reiche zum 
Pfande erhielt. Im Sinne einer Gegenleistung erbot sich dabei 
Johann, dem Kaiser den Frieden mit der Kurie zu vermitteln. 
Erst im November 13832 indes erschien Johann in Avignon. 
Zunächst machte er nach seiner Gewohnheit beträchtliche Schulden. 
Im übrigen verhandelte er weitläufig mit dem Papste, der 
inzwischen ganz in die Gewalt Frankreichs geraten war. Das 
schließliche Ergebnis war wahrscheinlich mager genug: der Papst 
blieb wohl bei der Forderung, Ludwig solle zunächst die Krone 
niederlegen; dann würden entgegenkommende Schritte erfolgen. 
Aber Johann genügte dies Resultat, denn er war geneigt, es 
mit einem weiteren Projekt zu Gunsten seines Hauses zu ver⸗ 
binden. Wie, wenn Ludwig zu Gunsten Heinrichs von Nieder⸗ 
— E 
sohns Johanns, der Krone entsagte? Und Ludwig ließ in der 
wNal. Band 111 S. 391.
	        
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