Kämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 107
Reich! Am 11. Juni 1846 wurde Karl zu Rhense gewählt.
Die Städte verachteten ihn; weder Achen noch Köln ließen ihn
zur Krönung ein; er mußte sich in dem kleinen Bonn krönen
lassen. Dann ging er aus dem Lande. Bedeutung erhielt er
erst, als Kaiser Ludwig am 11. Oktober 1847 auf einer Bären—
jagd bei Fürstenfeld einem Schlaganfall erlegen war.
Wir verzichten auf ein Charakterbild Kaiser Ludwigs.
Bald wird er als haltloser Schwächling gezeichnet, bald als
zäher und verschmitzter Rechner. Die Akten der Forschung
über seine Zeit sind noch zu wenig geschlossen, sein Bild selbst
ist noch zu sehr getrübt durch Übermalung mit dem, was viel⸗
fach andere für ihn gethan und gesagt haben, als daß es schon
möglich wäre, ein gesichertes Urteil über seine Person zu fällen.
Zweifelsohne sympathisch war das Außere seiner hohen und
schlanken Gestalt, der freie Blick aus den braunen Augen, der
elastische Schritt des geborenen Sanguinikers. Erschien er oft
zweideutig, schleichend, unterwürfig, ja geneigt, aus seiner
Selbsterniedrigung Kapital zu schlagen, so muß bedacht werden,
daß sein Leben einer Zeit schwersten sittlichen Verfalls des
höheren Adels angehörte, der seinerseits wieder bedingt war
durch den Ruin aller wirtschaftlichen Lebensarundlagen aristo⸗
kratischen Charakters!.
Ganz anders klar und deutlich malt sich in den Quellen
das Bild seines Nachfolgers, Karls IV. Karl hatte nichts
mehr von den aristokratisch-heldenhaften Zügen, die bisher
noch alle deutschen Herrscher ausgezeichnet hatten. Er war ein
vollendeter Kaufmann auf dem Throne. Mittelgroß, fein gebaut,
kränklich, früh schon von gebückter Haltung und kahlem Vorder⸗
haupt, fast stets einfach, gleichsam geschäftsmäßig gekleidet,
feilschte und bestach er lieber, als daß er zum Schwerte griff.
In der Verhandlung zeigte er das verbindliche Lächeln des
Händlers sowie jene reiche Kenntnis der Einzelheiten, die
nur eine in tausend Geschäften heimische Erfahrung gewinnen
Vgl. Band III S. 838 ff., 203.