110 Elftes Buch. Zweites Kapitel.
Reiche zu ordnen. Karl gab jetzt den falschen Waldemar auf;
doch gelangte Brandenburg nicht an die bayrische Linie der
Wittelsbacher zurück, sondern an eine Secundogenitur; außer⸗
dem nahm Karl die Oberlausitz an sich. Damit war in freund⸗
schaftlichster Auseinandersetzung die bis dahin einheitliche
wittelsbachische Macht gesprengt, und mit ihr die einzige Haus—
macht, die den Luxemburgern zunächst noch hätte gefährlich
werden können.
Und nun waren die Verhältnisse im Reiche überhaupt zu
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Krönung Karls nicht anerkannten, so kam es Karl nicht darauf
an, sich am 25. Juli 1349 noch einmal, und nun zu Achen,
krönen zu lassen; es genügte ihm, daß er die Jahre seiner Re—
gierung von der ersten Krönung an weiter zählte. Im übrigen
ernannte er, vornehmlich für den Westen des Reiches, seinen
Großoheim Balduin zum Reichsvikar mit außerordentlichen
Vollmachten und sorgte dafür, daß auf den Mainzer Stuhl eine
ihm ergebene Persönlichkeit gebracht wurde: den Ehrgeiz, selbst
als deutscher König zu herrschen, besaß er nicht.
Doch die Kaiserkrone mußte erworben werden. Und mit
welch feurigen Worten ward Karl von Rom aus zu ihr be—
rufen!
Rom, von den Pödpsten sich selbst überlassen, lebte seit den
Tagen Ludwigs des Bayern in den stolzesten Erinnerungen
einstiger Größe. Hatten nicht die Vertreter der Stadt Ludwig
die Kaiserkrone aufgesetzt, wie die versammelten Väter einst den
Imperatoren? Und schien es nicht, als wenn mit den er—
blühenden Studien eines Dante, Boccaccio und Petrarca die
alte Welt für Italien, ja für Europa wiedergeboren werde?
Petrarca aber hatte im Jahre 1841 auf dem Kapitol von
den Senatoren Roms verzückt den Kranz des Dichters em—
pfangen. So war Rom dennoch, trotz abwesender Kurie, trotz
fern weilenden Kaisertums, die Hauptstadt der Welt. Diese
Anschauung zur Wirklichkeit zu gestalten, war der Traum Cola
Rienzis. In Rom zum gebietenden Tribunen emporgestiegen,
dann verjagt in die Einsamkeit der Abruzzen, nahte er sich jetzt