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Elftes Buch. Zweites Rapitel.
heit, das ihnen auf dem Gebiete der Friedenswahrung that⸗
sächlich zugefallen war, immer häufiger politisch auszubeuten:
mit den Landfrieden verquickten sich Bündniszwecke anderer
Natur, unter Umständen sogar Einungen gegen das Königtum.
So wohl umfassend zuerst in dem großen, oft erneuerten Land⸗
frieden, in dem die Luxemburger seit König Johann und Erz—
bischof Balduin vom Jahre 1333 ab den ganzen Westen des
Reiches vereinigten. Es war eine Schöpfung, die man als
Vorläuferin des späteren burgundischen Reiches bezeichnen kann.
Durchaus häufig freilich wurde diese Ausbeutung der Land—
friedensidee erst, seitdem die goldene Bulle den Ständen alles
Recht der Einung, mit Ausnahme eben von Landfriedens⸗
einungen, abgesprochen hatte. Natürlich, daß seitdem diese
Einungen gerade erst recht zu Sonderbünden ausgenutzt wurden,
so daß der Erfolg der Bestimmung den mit ihr verknüpften
Absichten fast gänzlich widersprach.
Soviel aber war klar: das Königtum hatte im Laufe
dieser Vorgänge auch das letzte und erhabenste Ziel, das ihm
das frühere Mittelalter gestellt hatte, die Friedenswahrung,
mehr oder minder verloren. Wie sollte es unter diesen Um⸗—
ständen in der Lage gewesen sein, tiefer auf die Nation und
die gesellschaftlichen Vorgänge in ihr einzuwirken? Schon das
Königtum der Ottonen, Salier und Staufer hatte die Nation
nicht sozial beherrscht; das Königtum des späteren Mittelalters
hat sie in dieser Richtung kaum noch spezifisch beeinflußt.
Die ersten Könige dieses Zeitalters waren wohl noch be—
strebt, sich gelegentlich auf den Adel gegen Fürsten und Städte
zu stützen und ihn deshalb zu fördern. Besonders deutlich ist
dies Bestreben bei König Adolf; aber auch schon Rudolf hat
versucht, durch Verbot der Teilung und Veräußerung von Graf⸗
schaften die Atomisierung des Herrenstandes zu verhindern. Er—
folg freilich haben diese Absichten nicht gehabt.
Dem Adel war auf dem Wege der Gesetzgebung kaum
noch zu helfen; sich auf ihn zu stützen, war für die Dauer eine
verkehrte Politik. Wie hätte man ihm die entscheidenden Ver—
luste ersetzen sollen, die er durch die ökonomische Bewegung des