128 Elftes Buch. Drittes Kapitel.
linie der Laufenburger verquickte sich hier mit der Wirkung der
Parteinahme dieser Linie im Kampfe zwischen Kaiser Friedrich II.
und der Kurie. Die Laufenburger waren päpstlich gesinnt. Die
Leute von Schwyz, landesherrlich bedrängt und zudem in ihren
kaiserlichen Gesinnungen angegriffen, wandten sich um Abhilfe
gegen beide Nöte zugleich an das Reichsoberhaupt: und Fried—
rich II. befreite sie darauf im Jahr 1240 von der Grafschaft
der Habsburger, indes ohne diese selbst aufzuheben. Es war
ein Zwitterzustand, dem die Schwyzer durch Ausbildung einer
autonomen, reichsunmittelbaren Landgemeinde während des
Interregnums ein Ende zu machen suchten. Und hierin wurden
sie später von König Rudolf wenigstens nicht völlig zweifellos
gestört. Nach Rudolfs Tode aber wählten sie einen eigenen
Landammann an Stelle der bisher noch immer vom Hause
Habsburg gesetzten vier Ammänner; sie zweifelten nicht an ihrer
Reichsunmittelbarkeit.
In Unterwalden endlich waren die habsburgischen Rechte
noch unbestritten, als Uri längst reichsfrei, Schwyz wenigstens
auf dem Wege zur Freiheit war; die Habsburger besaßen
hier die Grafschaft und über die ihrer Grafschaft entzogenen
Gotteshausleute von Engelberg, Muri, Beromünster und
andern geistlichen Grundherrschaften die der Grafschaft fast
gleichkommende Vogtei. Gleichwohl erscheint im Jahr 1304
ein gemeinsamer Landammann, ein Zeichen erstrebter und er—
rungener Freiheit unter dem Reiche.
Diese Entwicklung wäre nun bloß auf Grund durchaus
interner Vorgänge, wie sie soeben erzählt sind, wohl kaum denkbar
gewesen. Es kamen allgemeinere soziale und politische Motive
hinzu. Das soziale ist in der besondern bäuerlichen Kultur der
Waldstätten gegeben. Was den Hirten und Jägern von Uri
Recht geworden war, das erschien ihren Genossen von Schwyz
und Unterwalden billig; fie erstrebten die gleiche Lage, und sie
waren instinktiv überzeugt, zusammenhalten zu müssen. Außer—
dem wirkte das politische Motiv weiter, das wir für die Ent—
wicklung von Schwyz schon kennen. Wenn sich im Jahr 1244
oder 1245, nahezu gleichzeitig mit dem ersten großen rheinischen