Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sonderbildungen an den Grenzen des Reiches. 165 
Sie schlossen zunächst einen Waffenstillstand, endlich, unter 
sich uneins, einen faulen Frieden mit Waldemar, zu Wordingborg 
im Jahre 1365. 
Und auch zu diesem Frieden verstand sich Waldemar nur, 
weil sich die skandinavischen Verhältnisse inzwischen in einer 
für ihn unglücklichen Weise zu verschieben begonnen hatten. 
Zunächst allerdings hatte der König die Niederlage der Städte 
— 
hatte es verstanden, König Magnus wie König Hakon von den 
Hansen zu trennen; am 9. April 1363 hatte Hakon, Sohn 
und Erbe des Königs Magnus, die elfjährige Tochter Waldemars, 
Margarethe, geheiratet: es war das grundlegende Ereignis für 
die spätere kalmarische Union des Jahres 1897, die Ver— 
einigung der drei nordischen Reiche unter der Herrschaft 
Margarethens. 
Aber diese für Waldemar günstige Entwicklung wurde im 
Jahre 1864 durch einen merkwürdigen Vorstoß des deutschen 
Fürstentums nach Schweden unterbrochen. 
In Mecklenburg war Albrecht II., der Große, im Jahre 
1829 seinem Vater Heinrich, einem wackern, in den nordischen 
Dingen diplomatisch und militärisch wohlbewanderten Haudegen, 
zefolgt. Seit 1336 mündig, wurde er der Begründer einer 
weit über die Bedeutung seines Landes hinausragenden 
Fürstenmacht. Im Bunde mit Rostock, den Städten überhaupt 
zünstig gesinnt, brach er gleich so manchem andren nord⸗ 
deutschen Landesherrn dieser Zeit die Macht des territorialen 
Adels: es ist das Ende der Nachblüte deutschen Rittertums in 
den Kolonialgebieten. Im Jahre 1859 erwarb er weiterhin 
die Grafschaft Schwerin, auch ward ihm vom Kaiser der 
Herzogstitel verliehen. Vor allem aber war er schon früh der 
Mahnung zur See gefolgt, die in dem Besitze der trefflichen 
Häfen seines Landes lag. Im Jahre 1336 hatte er sich mit 
Euphemia, einer Tochter des Schwedenkönigs Magnus, ver⸗ 
mählt: es war der Eintritt in die nordische Politik. Als dann 
späler sein Erstgeborener Heinrich die Ingeborg, eine Tochter 
des Dänenkönigs Waldemar, heiratete, war Albrecht Schwieger⸗
	        
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