Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Soziale und politische Entwicklung des Bürgertums. 197 
Und wie forderte schon die ganze Entwicklung des 13. Jahr— 
hunderts an sich, und noch mehr die des 14. Jahrhunderts, zum 
Bruche mit dem Althergebrachten heraus! Auf politis chem Gebiete 
der langsame Verfall des Reiches unter den Staufern, dann der 
mühsame und wenig gelungene Wiederaufbau unter Rudolf von 
Habsburg und seinen Nachfolgern; auf sozialem und wirtschaft⸗ 
lichem Felde in den deutschen Städten speziell die Bewegungen der 
falschen Friedriche, und von außen her die dumpfe Kunde von 
den furchtbaren gesellschaftlichen Kämpfen in Italien und das 
verstreute Gift französisch-sozialistischer Propaganda. Während 
dort das heiße Ringen des popolo minuto und grasso die 
Entwicklung beherrschte, nahm hier der Roman de la Rose 
dem Königtum die Aureole göttlichen Ursprungs und rüttelte 
schon an den rechtlichen Grundlagen des Eigentums. Es waren 
Lehren, denen man wenigstens im äußersten deutschen Westen 
früh und gerne lauschte. Maarlant spricht es aus: 
Tweè worde in die wérelt sijn, 
Dats allene mijn ende dijm: 
Mocht men die verdrieven, 
Pais ende vrede bleven fijn, 
Het ware al vri, niemen eighijn, 
Manne metten wiven. 
Und doch waren das die Zeiten noch des 13. Jahrhunderts, 
wo ein eigentliches städtisches Proletariat noch nicht bestand, 
wo hervorragende Handwerker noch in den Rat und somit zu 
den Geschlechtern überzutreten vermochten. 
Wie anders im 14. Jahrhundert, als sich die Geschlechter 
fast in allen Städten der alten deutschen Kulturgebiete völlig 
abgeschlossen hatten und tausend Unglücksfälle in Hungersnot 
und Pest, in Erdbeben und Brand die Klasse der Enterbten 
mehrten. Die Grundlage allgemeiner Unzufriedenheit war 
damit gewonnen, und über ihr wandten sich die Zünfte jetzt 
zanz der politischen Betrachtung der Dinge zu. Sie waren es 
dor allem, die in den Städten den nationalen Ton anschlugen; 
Vauderkiudeére, Le siécle des Artevelde, 8. 143.
	        
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