Städtisches Dasein und bürgerliche Gesellschaft. 251
Friedensregeln des heutigen studentischen Kommerses, die sich
aus der Gegenwart noch am ehesten zur Vergleichung dar—
bieten! Es ist eine jugendliche, elementare, rohe Welt, die
ihnen unterworfen wird. Aber es ist zugleich eine nach
den Begriffen des 14. Jahrhunderts an materiellen Mitteln
wachsende Welt. So paaren sich innere Roheit und be—
ginnender äußerer Glanz; eine gewisse konventionelle Be⸗
wegungsfeinheit der Wohlhabenheit wird erreicht trotz gelegent⸗
lich noch hervorbrechender Brutalität.
Diese eigenartige Verbindung beherrschte den konventionellen
Geschmack und die Mode in Tracht, Haltung und geselligen
Freuden. Waren die Schmausereien einst frugal gewesen bei
einerlei Wein und einerlei Würzkuchen, bei Bier, Brot, Heringen
und Rettich: jetzt wurden sie raffiniert in Speise und Trank,
ind für offizielle Essen stieg die Zahl der Gäste. Eæ wellent
teliche 2welf gevatern haben z2uo einem kinde, eteliche
niune, eteliche sibene, eteliche fünfe. An eime hastu gar
genuoc, an ↄwein gar vil, an drien gar unde gar 2ze vil,
eiferte hiergegen schon Berhtolt von Regensburg!. Nirgends
aber wurde jene luxuriöse Roheit greifbarer, als in der Tracht.
Der rasche Wechsel der Kleider ward nun völlig Sitte; selbst
die Wörter Kleid, Gewand und Gewäte wandeln ihre Bedeutung,
und das Element der Laune dringt mit dem Begriff der Mode
ein, bis gegen Schluß des 14. Jahrhunderts die unglaublichen
Kopfbedeckungen und die schamlos raffinierte Betonung der
sinulichen Formen, wie sie die burgundische Mode bringt, den
sollen Hexensabbat der Trachten des 15. Jahrhunderts einleiten.
Freilich liegt auch hier bei Männern wie Frauen ein Moment
vor, dessen Bedeutung sich weit über das bloße Interesse der
Koslümkunde erhebt. Diese Schleppen und langen Armel,
diese abenteuerlichen Schnabelschuhe und Hüte, diese Hervor—
hebung der Bauchrundung und Einziehung des Schoßes, dies
Entblößen der Brüste soll zugleich charakterisieren: es ist die
erste rohe Freude am eigenen Außern. Es ist eine Andeutung
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