Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

256 
Zwẽ 
ölft 
es 
Buch 
D 
ritt 
es 
K 
a 
pite 
l. 
einfach das Deutsche aufdrängte; das Niederdeutsche war die 
Sprache der Hansen, wohin sie auch kamen; niederdeutsch war 
im 14. Jahrhundert auch die Sprache der gesamten nordischen 
Diplomatie. Geographisch aber mußte man sich schließlich mit 
den unvollkommensten Hilfsmitteln behelfen; die Karten der 
Alten, im früheren Mittelalter in einer Art von gelehrter 
Spielerei immer und immer wieder kopiert, reichten vielfach 
nicht aus für die neuen Bedürfnisse, namentlich im Norden; 
hier brachte erst die Karte des Upsaler Erzbischofs Olaus 
Magnus vom Jahre 1539 eine einigermaßen zutreffende Dar— 
stellung der drei großen Meerbusen der Ostsee. 
Am bezeichnendsten aber für die intellektuelle Höhe der 
Zeit ist vielleicht der Entwicklungsgang der bürgerlichen Ge— 
schichtsschreibung. Wie weit war sie in ältester Zeit noch ent— 
fernt von dem einfachsten Verständnis bürgerlicher Interessen! 
Sie klebte noch ganz an der geistlichen Tradition; wie denn 
Köln, die älteste Großstadt, noch den h. Petrus mit den An— 
fangsworten der Legende Sancta Colonia im Siegel führt; 
das Siegel des späteren Lübeck dagegen zeigt ein Schiff. Der 
heldenhafte Aufschwung der Geschlechter in den Kämpfen gegen 
die Stadtherrschaft brachte dann zwar auf historiographischem 
Gebiete ein leises Verständnis städtischer Vorgänge, aber noch 
zeigte es sich nur in dichterischem Gewande, in der Reimchronik 
etwa eines Godefrid Hagen. Im 14. Jahrhundert, in der Zeit 
der Zunftkämpfe, ging man darauf einen Schritt weiter. Jetzt 
entwickelte sich, anknüpfend an bloße Gedächtnisbehelfe über 
hervorragende Ereignisse, zu Nutz und Frommen der künftigen 
Verwaltung eine Art geschäftlicher Geschichtsschreibung, kurz, 
prosaisch, rein dem Thatsächlichen zugewandt, von gleichsam 
unbewußter, aber doch kräftig hervortretender städtischer Tendenz, 
amtlichen Ursprungs und gelegentlich nicht frei von weit— 
getriebener Parteiansicht der herrschenden Klassen. Ganz ent— 
wickelt ist diese Geschichtsschreibung seit der zweiten Hälfte des 
14. Jahrhunderts, eine Fülle von Aufzeichnungen allenthalben 
gehört ihr jetzt an. Aber nur an einer Stelle entspringt ihr 
eine Auffassung weiteren Blickes, in Lübeck, und nur für die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.