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Kapitel I. Die Optimisten.
Allerdings ist das eine erschreckend individualistische Auf
lassung der Solidarität! Auch hier ist es interessant, diese Ideen
mit denen Cabey’s zu vergleichen. Zwar scheint Carey die Soli
darität nicht zu kennen, da er ihren Namen nicht erwähnt. Aber
wenn er den Namen nicht kennt, so hat er sie doch sehr gut in dem,
was er „die Kraft der Assoziation“ nennt, beschrieben, und er ist
sogar wahrscheinlich der erste gewesen, der diesen Doppelcharakter
der Solidarität, der uns heute so vertraut ist, klar herausgearbeitet hat;
1. daß die Solidarität desto vollkommener ist, je zahlreicher und
ausgesprochener die Unterschiede zwischen den Individuen sind;
2. daß sie, weit entfernt, die Individualität eines jeden zu ver
ringern, sie im Gegenteil kräftigt und fördert 1 ).
Man hat vielleicht bemerkt, daß in dieser optimistischen Wider
legung der großen klassischen Gesetze nicht von den Gesetzen
MaijThus’ über die Bevölkerung die Rede war, die doch einen schreck
lichen Mißklang darzustellen scheinen, da sie uns einen natürlichen
Instinkt als Ursache „des Elendes und des Lasters“ zeigen. — Wir
sind nicht darauf eingegangen, weil in dieser Beziehung der Versuch
der Widerlegung, den Bastiat gemacht hat, nur zögernd und wenig-
originell ausgefallen ist: erbeschränkt sich ungefähr darauf, zu ant
worten, daß die Präventivhemmungen, wie das Schamgefühl und die
Zurückhaltung im geschlechtlichen Verkehr, das religiöse Gefühl und
.sogar das Gefühl der Gleichheit, auf Grund dessen die Anzahl der
Kinder begrenzt wird, ebenso wohl natürliche Gefühle sind, und
daß infolgedessen die Natur zugleich mit dem Übel die Heilmittel
gegeben hat.
Ein schwererwiegendes Argument — das aber Carey entlehnt zu
.sein scheint, — ist, daß die wachsende Dichte der Bevölkerung eine
antisozial ist, die Klassen, die für die Verteilung nicht in Betracht kommen, durch
Steuern, also durch Gewalt, dazu zu zwingen, Beiträge zu zahlen“ (Harmonies,
Kap. XIV, S. 471).
„Hier haben wir einen Bauern, der sich spät verheiratet hat, um nicht mit
einer Familie belastet zu sein, und den man dazu zwingt, die Kinder anderer zu
ernähren! . . . Jetzt wird er gezwungen, zum Unterhalt von Bastardkindern beizu
tragen!“ (Harmonies, Kap. XX, S. 617, 618).
Indem er von der Gewinnbeteiligung spricht, sagt er: „Es ist wirklich nicht
der Mühe wert, sich damit zu beschäftigen“ (ebenda, Kap. XIV, S. 457).
1 ) „In der ganzen Natur steht der Bang und die Vollkommenheit der Or
ganismen in direktem Verhältnis zu der Zahl und der Verschiedenheit der Teile“
(Science Social, Bd. III, S. 461).
„Man hat das Leben als einen Austausch gegenseitiger Beziehungen definiert;
dort aber, wo kein Unterschied der Gegenstände besteht, kann kein Austausch statt
finden“ (ebenda, Bd. I, S. 64, 65).
„Je vollkommener in der Natur die Koordination des Ganzen ist, um so besser
:entwickelt sich ein Jeder der Teile“ (ebenda, Bd. III, S. 462).