Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

388 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitet. 
Mutes; alsbald wandte er sich gegen das mailändische Gebiet. 
Und auch als er gelegentlich der Belagerung von Brescia wieder⸗ 
holt geschlagen worden war, sah er das Trostlose seines Unter— 
nehmens noch nicht ein. Statt sich jetzt mit guter Manier 
nach Deutschland zurückzuziehen, ging er, nur noch von einem 
Troß von etwa 400 Pferden begleitet, aller Mittel der Kriegs— 
führung bar, nach Padua und von dort nach Venedig. Er hoffte 
dabei wohl auf die finanzielle Unterstützung der Republik, wie 
er in den ersten Zeiten seines Zuges von Florentiner Subsidien 
gelebt hatte. Allein Venedig wiederholte den Fehler nicht, 
den Florenz gemacht hatte; seine Staatskassen blieben dem 
deutschen König verschlossen. Und was schlimmer war: auch 
die privaten Kassen gewährten ihm keinen Kredit mehr. Man 
kannte Ruprecht als hoffnungslos säumigen Schuldner; nur 
gegen Faustpfand borgte man ihm noch; er mußte sein Silber— 
geschirr und seine Krone versetzen — um schließlich, mit einem 
Gnadengeschenk der Republik in der Höhe von 4000 Gulden 
entlassen, unter gemeinem Spotte sich heimwärts zu wenden. 
Es war vielleicht das traurigste und würdeloseste Ereignis 
anserer gesamten Geschichte; den deutschen Zeitgenossen, die 
längst gewohnt waren, an die Leistungen des deutschen König— 
tums den geringsten Maßstab zu legen, stieg dennoch die Scham— 
röte ins Gesicht, und vergebens suchte der königliche Phantast 
den Trost des Mitleids. 
In Deutschland war inzwischen, wie teilweis schon im 
letzten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts, die frohe Zeit völlig 
unbehinderter Einung der einzelnen Stände gekommen. Wer 
kümmerte sich noch um das Einungsverbot der goldnen Bulle, 
das nur Landfriedenszwecke zuließ? Der König, der ihm 
wenigstens in dem Sinne Geltung zu verschaffen suchte, daß er 
neben den wilden Einungen noch Landfrieden zu errichten be— 
strebt war, ward ausgelacht; und gleichgiltig trug man es, 
ächtete er seine Verächter. 
Eine einheitliche Richtung auch nur der sozialen Bewegung 
schien unter diesen Umständen wenigstens für die nächste Zu— 
kunft ausgeschlossen: Fürst stand gelegentlich gegen Fürst und
	        
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