390 J Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
wesen! Allein unter ihnen wirkte noch eine Parteistellung weiter,
die sich in den letzten Jahren Ruprechts gebildet hatte. Ruprecht
hatte in seiner Verlassenheit schließlich Hilfe bei Gregor XIIL.,
demjenigen der Päpste, der jetzt in Deutschland vornehmlich aner⸗
kannt wurde, gesucht: Grund genug für seine Hauptwidersacher
Johann von Mainz und Friedrich von Köln, sich Alexander V.
und dessen Nachfolger Johann XXIII., den Päpsten des Pisaner
Konzils, anzuschließen. Nun verharrten beide auf diesem
Standpunkte, während Kurpfalz und Kurtrier Anhänger
Gregors XII. waren. Konnten sie unter diesen Umständen,
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Fragen der Politik, gemeinsam bei der Wahl Sigmunds vor⸗
gehen? Jede der beiden Gruppen versuchte von der andern ge⸗
sondert Sigmund zu gewinnen. Und fast wäre es der Diplo⸗
matie Sigmunds gelungen, gleichwohl beide auf ein gemeinsames
Programm zu vereinen.
Allein im letzten Augenblick blieben ihm doch nur Kurpfalz
und Kurtrier treu; diese haben ihn am 20. September 1410
zu Frankfurt gewählt. Mainz und Köln dagegen, die jetzt
von Sigmund absahen, brachten es mit den östlichen Kurfürsten
zu einer höchst eigenartigen Abmachung. Nach ihr wurde,
nachdem Wenzel in ziemlich unklarer Weise auf seine königliche
Gewalt verzichtet hatte, am 1. Oktober 1410 Jost zum deutschen
König gewählt. Kein Zweifel, daß Josts Wahl gesetzlich war;
er hatte fünf kurfürstliche Stimmen für sich; es ist unmöglich,
ihn aus der Reihe unserer Herrscher zu streichen, obwohl schon
seine Wähler dem König Sigmund den gethanen Schritt nur
mit Ausdrücken der Entschuldigung anzuzeigen vermochten.
Von einem Regiment Josts aber ist Deutschland glücklicherweise
verschont geblieben: er starb bereits am 18. Januar 1411.
Nun erst war über den Ausgang der Krise kein Zweifel mehr.
Sigmund wurde jetzt auch von jenen Kurfürsten, die bisher
widerstrebt hatten, gewählt; und es gelang ihm im Sommer
1411, sich auch mit Wenzel auseinanderzusetzen, der von neuem
königliche Gewalt geübt hatte.
Damit hatte das Reich von neuem einen Herrscher. Aber