Konziliare Bewegung, Wiener Konkordat vom Jahre 1448. 413
deutsche König, besaß innerhalb des mehrfach geteilten habs—
hurgischen Besitzes das Hauptland, das Herzogtum Ästerreich.
Es war ein Schritt, der sich ganz in der Richtung der einst
von Karl IV. geschlossenen habsburgisch-lIuxemburgischen Erb⸗
verbrüderung bewegte! und der auch von Sigmund trotz
mannigfacher Schwankungen beibehalten ward: im Jahre 1422
heiratete Albrecht Elisabeth und erhielt die Verwaltung Mährens.
In der That hat diese Verbindung den Bestand einer großen
südöstlichen Macht gewährleistet; ihm verdanken zugleich die
Habsburger den Übergang der deutschen Krone auf ihr Ge—
schlecht. Zunächst aber hatte der Schritt wenig Erfolg; denn
noch zu Sigmunds Lebzeiten wurden Thatsachen geschaffen,
die den Abfall Böhmens wie Ungarns von dem habsburgisch⸗
luxemburgischen Besitze herbeiführten.
In Böhmen erhob sich das eechische Element explosiv in
der husitischen Bewegung. Es sind dechisch-nationale Vorgänge;
sie werden hier nur so weit als nötig berichtet.
Schon früh waren in Böhmen ketzerische und chiliastisch—
apokalyptische Elemente heimisch geworden, Waldenser, lom—
bardische Arme, Joachimiten: sie bildeten den Untergrund der
folgenden Bewegung. Dann hatte der zwar nicht religiöse,
wohl aber kirchliche Karl IV. über das Land geherrscht; er
war ein eifriger Spender kirchlicher Gaben gewesen?; im
Jahre 1344 hatte er Prag zum Erzbistum erhoben. Und schon
der erste Erzbischof, Arnest von Pardubitz, hat darauf die neue
Landeskirche streng geordnet, und sein Nachfolger, Johann Ocko
von Wlaschim, wandelte treu in seinen Bahnen. Der Boden
für eine kirchliche Reformbewegung war bereitet. Ihn betrat
in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts eine Reihe ge—
waltiger Bußprediger und national empfindender Theologen, der
Augustinerchorherr Konrad aus dem österreichischen Kloster Wald⸗
S. oben S. 854.
VNicht minder seine Zeitgenossen; vgl. die Libri erectionum
archidioee. Pragensis ed. Borovy, Prag 1875 ff.: von 18588 -1897
353 Nummern von Stiftungen.