Drittes Kapitel.
Verfall des deutschen Einflusses nach außen,
Ruin im Innern.
Mit Albrecht II. und Friedrich III. war die deutsche
sönigskrone auf Jahrhunderte an die Habsburger übergegangen.
War vorauszusehen, daß sie ihren Glanz wiederum erhöhen
würden? Es war eine Frage, deren Beantwortung zum großen
Teile in den Schicksalen der habsburgischen Hausmacht be—
schlossen lag. Und auf diesem Gebiete waren die Aussichten
für den Verlauf des 15. Jahrhunderts traurig.
Das 14. Jahrhundert hatte, nach dem Ausscheiden der
Habsburger aus der Regierung des Reiches, zunächst einen
tüchtigen Aufschwung ihrer Hausmacht gesehen. Unter Herzog
Albrecht IIe., dem gelähmten Kraftmenschen, war Kärnten er—⸗
worben worden, unter Herzog Rudolf IV. (1358-65) Tirol,
bald darauf Freiburg im Breisgau; es war eine gewaltige
Mehrung und Befestigung sowohl des südöstlichen Besitzes, wie
jener vorderösterreichischen Lande, die vornehmlich die schwei⸗—
zerische Hochebene und das heutige Oberelsaß umfaßten. Dazu
kam, daß die Territorien gut regiert wurden; namentlich Ru—
dolf IV. war bei allen eitlen Schrullen ein ausgezeichneter,
wenn auch gelegentlich etwas despotischer Regent; auch geistigen
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