Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 449
geregelt war, zogen sie unter der Führung des jungen Dauphin
m Sommer 1444 ins Elsaß, etwa 40 000 Streiter unter
140 Kapitänen: das furchtbarste Heer, das Europa damals
besaß. Und kurzsichtig folgte ihnen der Adel Schwabens, als
sie gegen die Schweizer vorbrachen; jetzt gelte es eine leichte
Hetze gegen die verhaßten Kuhtreiber; nach ihnen werde man
die Pfeffersäcke in den Städten klopfen. Der Dauphin aber
sprach bald nicht mehr von der Sicherung Lothringens gegen
Burgund und vom Schutze sterreichs gegen die Schweizer:
unverhohlen betonte er den Übergang der Schweiz, des Elsasses
und erst recht Lothringens in französische Herrschaft als letzte
Ziele.
Da haben die Schweizer sich und die deutsche Westgrenze
ugleich gerettet. In der furchtbaren Schlacht am Leprosen⸗
hause zum heiligen Jakob an der Birs, unweit Basels, lehrten
sfie die Armagnaken, was deutscher Bauernmut heißt. Von
früh vier Uhr bis abends zum Sonnenuntergang kämpften sie;
bis auf zweihundert Versprengte ward ihr Heer vernichtet. Es
war eine That, die an Größe menschlichen Mutes übertrifft,
was nur immer hellenische Quellen vom Untergang der Drei—
hundert an den Thermopylen berichten. Und glänzend war der
Erfolg. Die Bauern waren besiegt, aber die Armagnaken zogen
uckwärts. Am 24. Oktober 1444 schloß der Dauphin zu
Ensisheim Frieden mit den Eidgenossen und stürzte sich auf das
wehrlose Elsaß.
Denn war der Gedanke großer Heldenthaten in der Schweiz
und damit der von König Friedrich vorbedachte Verlauf des
Krieges für die Franzosen jetzt völlig beseitigt, so galt es nun
um so mehr, Elsaß und Lothringen zu halten. Zu diesem Zweck
blieb der Dauphin am Rhein, und Karl VII. setzte ein zweites
Heer gegen Lothringen in Bewegung.
Im Reich war man ratlos, verzweifelt. Was half es,
daß dem Könige die Gassenbuben nachsangen:
Du solltest wehren Räuberei
Und treiben aus dem Lande:
Lamprecht, Deutsche Geschichte. IV.