Wiederherstellung des nationalen Königtums. 29
waren. Eine solche Vertretung entsprach der Thatsache be⸗
sonders großer Territorialgewalten im Osten; sie war aber auch
geeignet, den dauernden Anschluß der Kolonialgebiete an das
Mutterland zu gewährleisten. Nicht minder aber erscheint die
Begründung des Kurfürstenkollegs als nationaler Fortschritt,
insofern seine Zusammensetzung aus weltlichen und geistlichen
Elementen in Betracht kommt. Nach dem Abschlusse des
Fürstenstandes im ersten Jahrzehnt Kaiser Friedrichs J.* hatten
die geistlichen Fürsten überwogen; sollte ihnen für die Wahl
des Reichsoberhauptes dauernd die Mehrheit gebühren? Lag
dann nicht die Gefahr nahe, daß kaiserliche Rücksichten über—
wogen, daß der König vornehmlich als künftig vom Papst zu
krönender Kaiser gewählt ward, daß die staatskirchenrechtlichen
Zwiste verewigt wurden? Im Kurfürstenkollegium war um—⸗
gekehrt die Mehrheit auf Seiten der Laienfürsten; das nationale
Interesse war gegenüber den kirchlich- universalen gewahrt. So
wurde das Kurfuͤrstenkolleg ein wertvolles Organ der allmäh⸗
lichen Nationalisierung der Kaiserkrone und damit des deutschen
Königtums; in diesem Sinne hat es schon bis zur Goldenen
Bulle die wertvollsten Voraussetzungen einer rein nationalen
Monarchie entwickelt?. Und früh schon ahnte man diesen Zu⸗
sammenhang. Es ist kein Zufall, wenn das deutsche Bürger—
tum, seit dem Zerfall des Reichs der ahnungsvolle Träger
einer künftigen, enger und organischer gefestigten Einheit der
Nation, den Abschluß des Kurfürstenkollegs mit Freuden för⸗
dertes: war doch in ihm das politische Organ einer wenn auch
nur föderativen Zukunftseinheit gewonnen, und damit die
Möglichkeit einer politischen Ges chlossenheit, wie sie allerminde—
stens Voraussetzung und Ausdruck einer alücklich erblühenden
Geldwirtschaft sein mußte.
And alsbald zeigte sich, daß das Kurfürstenkolleg seine
Aufgaben nicht bloß auf das Wahlgeschäft zu beschränken ge—
S. Band III S. 1409, 150.
2 S. unten S. 102.
s Val. Nitzsch, Gesch. d. deutschen Volkes 3, 163.