Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 459 
Er hatte zwar nur ein kleines Land, aber um so größere 
Ansprüche: ein Herzogtum Franken war sein Ideal, und da er 
es nur durch Machtausdehung des kaiserlichen Landgerichts, in 
dessen Besitze er war, erreichen konnte, so stand er grundsätzlich 
auf seiten des Kaisers. Andrerseits brachten ihn seine terri— 
torialen Bestrebungen in unmittelbaren Gegensatz zu Bayern. 
In Bayern war nach dem Tode Kaiser Ludwigs (1347) infolge 
wiederholter Besitzteilungen die Großmachtstellung der Wittels— 
bacher zerfallen; Brandenburg, Tirol und die holländischen 
Besitzungen waren verloren gegangen. Nun hatte zwar Stephan J. 
( 1375) wenigstens das übrig gebliebene altbesessene Land 
unter seinen Händen wieder ganz vereint, aber schon unter 
seinen Söhnen begannen Uneinigkeit und Teilung von neuem. 
Es entstand eine Anzahl von Stämmen und Zweigen, bis mit 
dem Jahre 1450 davon nur noch zwei übrig blieben, Bayern⸗ 
München und Bayern⸗-Landshut. Von ihnen ragte weitaus am 
meisten Landshut hervor; denn hier regierte einer der be— 
deutendsten Fürsten der Zeit, Ludwig der Reiche, ein tüchtiger 
Verwalter und prachtliebender Herr, für alles Große begeistert 
und von wissenschaftlicher Anteilnahme; er ist der Stifter der 
Universität Ingolstadt (1472). Ludwig war es vor allem, der 
den Gegensatz gegen Albrecht Achilles aufnahm. Unmittelbar 
neben ihm kam nur noch der Kurfürst von der Pfalz, Friedrich J. 
der Siegreiche, in Betracht. Er hatte im Jahre 1449 als Oheim 
des jungen Philipp Vormundschaft und Regierung übernommen, 
ein schöner Mann und begabter Feldherr, den Wissenschaften 
hold, aber streng, rücksichtslos und hochfahrend. Es war ihm 
nicht genug, eine vormundschaftliche Regierung von begrenzter 
Dauer zu führen; durch die sogenannte Arrogation des Jahres 
1451 erklärte er sich mit Zustimmung der Stände zum Kur— 
fürsten und nahm Philipp an Kindesstatt an. Philipp, der 
Freund des Humanismus, ist ihm dann entsprechend den Be— 
stimmungen der Arrogation gefolgt (1476 -1508); auch wurde 
diese allmählich von allen Fürsten anerkannt. Der starr legiti— 
mistische Kaiser indes blieb fortwährend und bis zuletzt ihr 
Gegner. Friedrich befand sich daher in dauerndem Gegensatz
	        
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