Verfall des deuischen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 461
licht des Tages und geheimnisvoller Dämmerung Unkraut und
Giftpflanzen über bemooste Ruinen eines halben Jahrtausends
emporschießen. Es war eine Lage, die energische Machthaber
geradezu herausforderte, im Trüben zu fischen, aus der nur
Schwächlinge und Idealisten unter den Fürsten sich wahrhaft
aufrichtig heraussehnten.
Indes traten die Fürsten trotzdem an die Reform heran;
sie wußten, daß erst die UÜbernahme dieser Aufgabe ihre Hege⸗
monie im Reiche sichern, ja gleichsam legitimieren würde.
Die ersten energischen Anregungen gingen dabei naturgemäß
nicht von den größten fürstlichen Egoisten aus, sondern von
einem jener Kurfürsten, deren Gewalt durch die Bestrebungen
fürstlicher Genossen in Gefahr stand, geschädigt zu werden, vom
Erzbischof Jakob von Trier. Jakob reichte im Jahre 1453
eine Denkschrift über Reichsreform ein. Aber sehr rasch ver—
quickten sich mit seinem Versuch die fürstlichen Gegensätze.
Der Pfälzer Kurfürst nahm sich der Sache mit an; er wünschte
zugleich die Absetzung des ihm feindlichen Kaisers. Und indem
nun diese Frage sich mit der der Reform verknüpfte, lag von
vornherein die Gefahr vor, daß der Kaiser sich hilflos in die
Arme Albrecht Achills werfen werde, statt in einer Stellung
möglichst über den Fürsten zu Gunsten der Reichsreform zu
wirken.
In der That war das der Gang der Ereignisse. Zwar
ward das Trierer Programm auf dem Reichstag zu Wiener
Neustadt, Februar 1455, von fünf Kurfürsten unterstützt. Allein
der Kaiser nahm es nicht an; er näherte sich Albrecht Achilles.
Bald darauf, am 28. Mai 14856, starb der in den fürstlichen
Parteiungen mehr neutrale Jakob von Trier, und an die Spitze
der Reformfreunde trat nunmehr der in seinen Gegensätzen viel
ausgesprochenere Kurfürst von der Pfalz. Es war eine wesent⸗
liche Verschärfung der Lage; schon gruppierten sich die größeren
und kleineren Fürsten nach der pfälzisch-bayerischen und
kaiserlich-ansbachischen Partei; und der offene Kampf zwischen
beiden schien nur noch eine Frage der Zeit. Da ergab sich noch
einmal eine friedliche Wendung als anscheinend möglich —