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Höhe für alle 20 Jahre berechnet und diese letzte als 100 angenommen
haben, werden durch die in diesen Tabellen angegebenen Zahlen — die
Ernteschwankungen — gezeigt in ihren Abweichungen von der durch
schnittlichen Höhe für 20 Jahre.
Für die erste und dritte Arbeitsperiode sind es die Angaben be
züglich der Getreideernteschwankungen; für die zweite Feldarbeitsperiode
dagegen die Schwankungen der Heuernte. Betrachtet man zunächst die
Schwankungen der Tagelöhne für die Bestellarbeiten im Frühjahr
(erster Feldarbeitsabschnitt), so sieht man aus der Tabelle LXXXVIII, dass
einem Jahr der höheren Löhne ein Jahr der höheren Ernte vorangeht,
einem Jahr der Missernte dagegen niedrigere Löhne folgen. Wollen wir
den Zusammenhang zwischen der Ernte und den Tagelöhnen für Bestell
arbeiten in einem Diagramm darstellen, so müssen wir in den betreffen
den Jahren die Kurven, die Ernteschwankungen darstellen, nicht für die
selben Jahre, sondern für die vorangehenden angeben.
Als eine Eigentümlichkeit in dem Zusammenhänge zwischen den
Tagelöhnen und der Ernte des vorangehenden Jahres ist es zu bezeichnen,
dass nach einem guten Jahre in Bezug auf die Ernte oft die Tagelöhne
für Bestellarbeiten nicht nur in dem der guten Ernte nachfolgenden
Jahre, sondern auch im zweiten Jahre höher stehen. Und umgekehrt
—- nach dem Jahre einer starken Missernte fallen oft die Tagelöhne
für Bestellarbeiten nicht nur für ein Jahr, sondern auch für zwei oder
mehrere Jahre. Dieser Zusammenhang zwischen den Erntezuständen
der vorangehenden Jahre und den Tagelöhnen für Bestellarbeiten ist
sehr leicht zu erklären. Die Bestellarbeiten sowohl im Frühjahr, wie
auch im Herbst werden nicht von Wanderarbeitern, sondern fast aus
schliesslich von den einheimischen Arbeitern ausgeführt. Im Früh
jahr werden die Feldarbeiten gewöhnlich vor der Zuströmung der
Wanderarbeiter, im Herbst aber nach dem Abzug derselben ausgeführt.
Es sind meistens die einheimischen grundbesitzenden und besitzlosen
Bauern, die sich zu den Bestellarbeiten verdingen. Die Zahl der sich
für Lohnarbeit vermietenden Bauern aber hängt in der Kegel von dem
Zustande ihrer eigenen Wirtschaft ab.
Je besser der Ernteausfall ist, desto weniger hat es der Bauer
nötig, sich als Lohnarbeiter zu verdingen. Je schlechter aber die Ernte,
je grösser die Missernte, desto dringender wird die Notwendigkeit für den
Bauern, Arbeit zu suchen, denn er steht vor dem Verfall seiner Wirtschaft,
wenn er sich nicht die für ihn nötigen Geldmittel durch den Verkauf seiner
Arbeitskraft verschaffen kann. Es ist immer der schwankende Zustand
der kleineren bäuerlichen Wirtschaft, wodurch jede mehr oder weniger