Wiederherstellung des nationalen Königtums.
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grausamen Verfolgers der ersten Zeugen, lebte in der Kirche
unter diesem Bilde fort: als Antichrist sollte er dereinst wieder⸗
kommen, ein Vorläufer des tausendjährigen Reiches. Es war
eine Auffassung, die unter den schwärmerischen Sekten Unter—
italiens, deren geistiger Führer Joachim von Floris war, im
12. Jahrhundert, eben im Augenblick vollen Sieges des mittel—
alterlichen Papsttums wieder aufgelebt war; indem das Papst—
tum weltlicher Theokratie gewachsen schien, beklagten die Asketen
den Verfall der Kirche und harrten ihrer Bestrafung durch den
kommenden Entchrist. Was Wunder, wenn ihre geistigen Nach—
kommen im 18. Jahrhundert in den Thaten Friedrichs II. den
Geist des sühnenden Widersachers, in Friedrich II. selbst
schließlich den Entchrist sahen?
Und eine andere Gedankenreihe, von Osten ausgehend, ge—
wann daneben unter den abendländischen Völkern Kraft. Wie
schien doch das Schicksal der christlichen Welt nach der kräf—
tigen Abwehr des Islams durch Karl Martell auf lange an
die treue Wacht der byzantinischen Kaiser gegen den Osten ge—
kettet! War es da nicht klar, daß mit dem Siege des ost⸗
römischen Kaisers über die Heiden des Orients die Erfüllung
der Zeiten hereinbrechen werde? Und welcher gute Christ er—
hoffte nicht diesen endlichen Sieg? Das wird der letzte Kaiser
von Ostrom sein, der sieghaft in Jerusalem einzieht; der seinen
Schild an den dürren Baum des Haines Mamre hängt, auf
daß er grüne; der mit Krone und Scepter sein Reich auf
Golgatha aufträgt an Gott den Herrn. Ja das wird der letzte
Kaiser überhaupt sein. Mag nach ihm noch der Antichrist
wütend über das Land fahren;: herrschen nach ihm wird nur
noch Gott.
Nun hatte das Kaisertum anscheinend aufgehört zu bestehen.
Was wußte das deutsche Volk vom byzantinischen Kaiser! Und
Rudolf schien nicht Kaiser zu werden und werden zu wollen.
Wird da nicht der letzte Kaiser, der Staufer Friedrich, auf—⸗
erstehen mit Heeresmacht, um die Welt zu einen und den
großen Frieden zu schaffen, der dem Reiche des Antichrists vor⸗
aufgehen soll, um Trost den Waisen und Reichtum den Ent—