Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Wiederherstellung des nationalen Königtums. 45 
in Bayern, Franken und Schwaben. Er berief sich dabei teil— 
weise auf den allgemeinen Landfrieden Friedrichs II. vom Jahre 
1288, aber sorgsam hielt er sich von organisatorischen Eingriffen 
in die partikularen Landfriedensbehörden fern; erst im Dezember 
1282 hat er bei Stiftung eines weiteren, mittelrheinischen Land— 
friedens die Vollstreckungsbeamten, den Vogt und den Richter 
bon Reichs wegen ernannt. Zugleich begann er in dem nun 
folgenden Jahrfünft die Landfrieden über größere Gebiete zu 
erstrecken und für die Herstellung von praktischen Exekutions— 
ordnungen zu sorgen. Aber gerade bei dieser Thätigkeit er— 
kannte er, daß das Königtum noch viel zu schwach sei, um von 
sich aus die Strafvollstreckung gegen Landfriedensbrecher voll in 
die Hand zu nehmen und darum auch zu regeln. Er machte 
deshalb den Versuch, womöglich unter Umgehung der Terri— 
torialgewalten eine Stärkung der königlichen Exekutive durch 
die Kirche herbeizuführen. Auf dem Reichstag und Konzil zu 
Würzburg im Jahre 1287. wirde der Landfriede des Jahres 
12385 für das ganze Reich erneuert; seine Verächter sollte 
Reichsacht und Bann zugleich treffen. Es war ein Gedanke, 
der durchführbar nur war bei rechter Einmütigkeit der kirchlichen 
— 
sehen der Kirche. Allein alsbald zeigte sich, daß diese letzte 
Vorbedingung fehlte. Schon auf dem Konzil selbst wurde der 
däpstliche Legat Johannes von Tusculum von den empörten 
Teilnehmern der Versammlung beinahe seines Lebens beraubt, 
als er unverschämte Geldforderungen stellte; nach wenigen Tagen 
entwich er aus der Stadt unter königlichem Schutz und Geleite, 
und über Worms, Metz, Cambray, Lothringen zog er wieder 
von dannen nach Rom. 
So blieb dem König nichts übrig, als den Versuch zu 
machen, selbst wenigstens irgendwo im Reiche Verkünder und 
Vollstrecker des Landfriedens zugleich zu sein. Er wählte hierzu 
das von fürstlichen Parteiungen zerrissene und von adligen 
Räubern geplagte Thüringen. Nachdem ihm sein getreuer 
Helfer, der Erzbischof Heinrich von Mainz, ein Bäckerssohn aus 
Isny, trefflich vorgearbeitet hatte, traf er Mitte Dezember 1289
	        
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