74 Elftes Buch. Zweites Kapitel.
und her — um Karl schließlich den Deutschen erst dann zu
empfehlen, als diese von sich aus einen Kandidaten gefunden
hatten.
Zu Pfingsten 1308 war in Trier ein junger, etwa zwanzig⸗
jähriger Erzbischof eingezogen, Balduin, ein geborener Graf von
Luxemburg. Lebhaft und geschmeidig, von kleinem, aber musku⸗
lösem und in allen ritterlichen Künsten geübtem Korper, dazu
bieder und fromm, sorgsam und bescheiden hatte er alle Aus—
sicht, in der Reichspolitik eine Rolle zu spielen. Er begann
damit, seinen um etwa zwei Jahrzehnte älteren Bruder Hein⸗
rich als Bewerber um den erledigten Thron aufzustellen.
Es war das erste Mal, daß unter den rheinischen Erz⸗
bischöäfen, den alten Königsmachern seit der Wahl Heinrich
Raspes, der Trierer besonders hervortrat. Und nicht alsbald
fügten sich ihm die beiden Amtsbrüder: der Mainzer Erzbischof
suchte für Friedrich den Freidigen von Thüringen zu wirken,
her Kölner neigte Frankreich zu. Es war eine Lage, die gegen⸗
iber der raschen Einigung gerade der rheinischen Kurfürsten
hei anderen Wahlen, zunächst Verwirrung schuf.
Aber Balduin wußte den Knoten klug zu durchhauen.
Durch unglaublich weitgehende Zugeständnisse auf Reichskosten
gewann er den Mainzer; dem Kölner, der sich inzwischen die
Stimmen von Brandenburg und Sachsen hatte übertragen
lassen, machte er seinen Bruder anscheinend auf dem Umwege
über die Kurie genehm. So bedurfte es, da es in Böhmen
keinen gekrönten und mithin keinen zur Kur zulässigen König
gab, nur noch der Zustimmung der Pfalz. Nun hatte Kurfürst
Ludwig von der Pfalz anfangs wohl an seine eigne Wahl ge—
dacht, wie es die Pfälzer öfter, doch mit Ausnahme Ruprechts
im Jahre 1400 immer erfolglos, gethan haben; jetzt ließ er sich
zurch einen doppelsinnigen Vertrag mit Sachsen und Branden—
hurg bestimmen, mit für den Luxemburger einzutreten.
In den Obstgärten zu Rhense, da, wo heute alte Nuß⸗
häume den zwischen 1876 und 1388 errichteten Königsstuhl,
zeine einfache steinerne Wahlempore beschatten, mitten in der
Herzgegend der rheinischen Kurfürstentümer und dicht an den