Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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die auf dieses Anschauliche reflektierenden und von ihm her 
zurück belebten Gefühle; nicht den Gegenstand besingt er, 
sondern das Empfinden, das an diesen anknüpft. So sind ihm 
denn Empfindungen eben die Haupterscheinungen anschaulicher 
Vorgänge: alles andere verschwindet ihm vor der Macht des 
sich den Dingen entringenden Gefühls: und so wird er zum 
ersten Großen unserer subjektivistischen Dichter!. 
Indem er sich aber in die Welt der Gefühle einschließt, 
wird er zugleich zum Dichter der Selbstbeobachtung. Mit der 
schärfsten poetischen Analyse seiner Zeit ist er seinem Innern 
zu Leibe gegangen; die Außenwelt, auch insofern sie Innenwelt 
anderer war, hat ihn weniger gekümmert. Sein dichterisches 
Studienfeld ist darum begrenzt; will er fremde Gefühle wieder— 
geben, so gelingt ihm das fast nur unter dem Reiz des Ab— 
normen, indem er die fühlenden Personen etwa tot oder ab— 
wesend denkt: gänzlich fern steht er darum dem Drama und 
im tiefsten Grunde fern auch dem Epos. 
Dem aber, was die Zeit der Empfindsamkeit vom Dichter 
heischte, kam er eben auf diese Weise am nächsten. Hatte noch 
Haller nur die ersten herben Spuren tieferen, persönlichen 
Empfindens seinen Gedichten einverleibt, sah man bei ihm die 
Formen einer künftigen Stimmungspoesie gleichsam erst durch— 
schimmern durch den noch objektiv gehaltenen Leib des Ge— 
dichtes, wie man etwa in den gedrungenen Strebepfeilern 
frühgotischer Kirchen die Herrlichkeit der tausend Fialen und 
Kreuzblumen, der Baldachine und Statuen späterer Gotik nur 
ahnen mag: so brachte Klopstock jetzt die Erfüllung, die Er— 
füllung nach Form wie Inhalt. 
Begünstigt wurde der Dichter für die Entwicklung dieser 
Stimmungen durch Wesen und Herkunft seiner religiösen 
Empfindung. Seine Vaterstadt Quedlinburg und sein Vater⸗ 
In dieser Richtung urteilt Schiller (Über naive und sentimentalische 
Dichtung) von ihm: „Seine Sphäre ist immer das Ideenreich, und ins 
Unendliche weiß er alles, was er bearbeitet, hinüberzuführen. Man möchte 
sagen, er ziehe allem, was er behandelt, den Körper aus. um es au Geist 
zu machen.“
	        
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