Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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lauf auch durch allerlei Zeitanspielung und Zeitkritik ins Gegen⸗ 
wärtige zu beleben suchen. Und so ist er dem Gehalte seiner 
Dichtungen nach ohne entscheidende Anteilnahme durch die 
Zeiten der Anakreontik und der Empfindsamkeit und des 
Sturmes und Dranges bis zum Klassizismus, ja bis zur 
Romantik fortgeschritten, während er all den Wandel dieser 
Perioden je länger je mehr durch eine gewaltige Virtuosität 
zeitgemäßer Formgebung beeinflußt hat. Vor allem der 
Romantik ist diese Einwirkung zugute gekommen; doch auch 
schon der Gefühlsausdruck der empfindsamen Zeit, weniger 
der des Sturmes und Dranges hat in ihm einen selbständigen 
Meister gefunden. 
Soweit aber der sonstige Verlauf der empfindsamen 
Dichtung unter dem Einflusse Klopstocks von allgemein geschicht— 
licher Bedeutung war, mag man, da Klopstock selbst schon im 
Mannesalter dichterisch unfruchtbar wurde, zwischen einem 
Klopstockischen Gefolge unbedeutender Schwärmer und den 
Dichtern des Göttinger Hainbundes unterscheiden, die auch 
ihrerseits, 1772 zu einer engeren Gemeinschaft zusammen⸗ 
tretend, den Kultus Klopstocks auf ihre Fahne schrieben. Die 
Schwärmer sind innerlich bald an leerem Wortgeklingel, 
melancholisch⸗-stiller Verlogenheit und affektiertem Bardengebrüll, 
äußerlich an Kritik oder Interesselosigkeit des Publikums zu— 
grunde gegangen; und es war zu den Zeiten des aufziehenden 
Sturmes und Dranges oder gar schon der beginnenden idea— 
listischen Abklärung der Empfindsamkeit, da man auch Klopstock 
Verschwommenheit der Charakterzeichnung, Verstiegenheit trüb⸗ 
seliger Gedanken, überhaupt weinerliches Wesen vorzuwerfen sich 
anschickte. Aus dem Hainbund aber sind schließlich die Dichter 
hervorgegangen, in denen sich, unter Aufnahme des volkstüm⸗ 
lichen Elementes und der edlern Naturschwärmerei französischen 
und englischen, später auch Herderschen Einflusses, die Empfind— 
samkeit der ursprünglichen Zeiten nach manchem Überschwange 
zu letzten schöneren Ergebnissen abklärte: während Miller aus 
diesem Kreise her noch das breite, aber zurückbleibende Publikum 
durch die Fabrikation empfindsamer Romane erfreute und der
	        
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